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Kategorie: Lektüren

das bild des spaniers :: in der weltliteratur

Neben „unsinnige Verbohrtheit, blinde Gier und unmenschliche Roheit“ treten folglich des Spaniers „Hang zur Faulheit und Genussucht“ und die „gespreizte Bigotterie“ in allen anderen Lebensfragen und -lagen hervor. Die Damen „tragen Schnürleibchen, die die Brust verflachen, und ausgesteifte oder auf Draht gezogene tonnenförmige Reifröcke, die den ganzen Unterkörper unsichtbar machen“. Dagegen wirkt Casanovas Verdikt „Die Männer dieses Landes sind im allgemeinen eher häßlich als schön“ wahrlich recht zahm und lahm.

spanier – ueber das bild des spaniers in der weltliteratur (FR, 16.03.05)

der schmerz :: an den versfuessen

michael braun in einer eher ausgewogenen rezension zum diesjaehrigen leonce-und-lena-preis und mit einer abrupten rezeptur fuer lyrikkenner:

Nur Whiskey und Tabletten seien hilfreich, so Eich, wenn man „Schmerzen an den Versfuessen“ hat.die voegel sind ueberstimmt – michael braun (FR, 16.03.05)

auf der webseite des leonce-und-lena-preises gefunden einen schnipsel aus adrian kasnitz text „rueschhaus“:

die droste im negligé ohne schlaf. (eine wespe
die ihr schwellungen stach:)

herbert hrabal :: virtueller moderator

Der im Computer erschaffene Anchorman Herbert Hrabal führt durch das Programm, und erinnert ein wenig an den deutschen Tagesthemen-Moderator Ulrich Wickert. Die Kunstfigur wurde von den Programmmachern gleich mit einer ganzen fiktiven Biografie ausgestattet. Er gehe mit seiner Frau gern im Wienerwald spazieren, habe zwei Kinder und eine Leidenschaft für asiatische Actionfilme, heißt es da.

erste bilder vom neuen wien-tv (standard, 10.03.05)

… der anchor – „boss im studio“ – zum begriff des wortes „anchorman“

diagonale 05 :: eroeffnungsrede

aus der eroeffnungsrede zur diagonale 05:

Dort dringt keine Kritik hin, dort ist Anbetung und Gefolgschaft gefragt. Wir erleben den Anbruch einer zweiten feudalistischen Ära, des Feudalismus der Macher und Manager. Der Verweis auf den freien Markt wirkt analog zum Verweis auf das Gottesgnadentum.

rohstoff der oeffentlichkeitsindustrie – johann skocek (standard, 15.03.05)

unternehmensberater :: als vorbild

wir tragen taeglich die angst im brustbeutel spazieren – wir lieben ja interview-fetzen. die man sich ins taegliche stammbuch schreiben kann. interessant waere es doch gewesen. zu erfahren. warum die unten genannte berufsbildausformungen vorbildcharakter haben koennen oder sollen.

Röggla erklärte, die Unternehmensberater, Online-Redakteure und Key-Account-Manager, mit denen sie gesprochen habe, stellten „Schreckensbilder und Vorbilder“ in einem dar. „Es liegt viel Ängstlichkeit in der Luft, wir leben in einer angstgebeutelten Zeit, sagte sie über die heutige Arbeitswelt.

amoz oz und kathrin roeggla mit kreisky-buchpreis ausgezeichnet (standard, 15.03.05)

TAZ :: muss. wer rudi dutschke sagt. auch gewalt sagen

interessant ist sie schon. die diskussion ueber das kleine baendchen „rudi dutschke andreas baader und die raf“ – besonders wenn man die aufsaetze selbst dann mit anliest. dann kann man saemtliche fein- und grobheiten der dispute noch genauer festmachen:

Jeder spürt heute: Es bräuchte mehr, nicht weniger Guerilla-Mentalität. Was, wenn unsere drei Hamburger Helden nur dieses Gespür aggressiv wegzuschreiben versuchen? Seine eigene Gewaltfaszination kann kaum einer der in dem Sammelband vereinigten Texte verbergen, vor allem die schwüle Dokufiktion Karin Wielands nicht, die Andreas Baader fast so verfallen sein dürfte wie einst die Meinhof. Das Leiden an der eigenen unheroischen Existenz wird hysterisch abgewehrt. Die eigene Gewaltfaszination wird am Chiffre 68 abgearbeitet. Die Sehnsüchte, die gewissermaßen negativ in jedem dieser drei Texte eingeschrieben sind, sind gewiss nicht nur am Hamburger Mittelweg verbreitet. So gesehen ist die Debatte Teil einer Symptomatik – und interessant.

lob der guerilla mentalitaet – robert misik (TAZ, 15.03.05 – in der reihe „muss. wer rudi dutschke sagt. auch gewalt sagen?)

… aus der reihe
fantasievolle ueberraschungen – klaus meschkat (TAZ, 01.03.05)
der eskalationsstratege – wolfgang kraushaar (TAZ, 08.03.05)

… rudi dutschke andreas baader und die raf – hamburger edition 2005

das wort verzicht :: weltverbrauchertag

Die Fortgeschrittenen unter uns üben sich dann darin, das zentrale Tabu der Überflussgesellschaft zu brechen – und das Wort „Verzicht“ auszusprechen. Wir müssen nicht zum Kaffeetrinken nach Paris fliegen, auch wenn es nur ein paar Euro kostet. Wir brauchen nicht noch einen dieser Pullover aus dem Sonderangebot, und die alte CD-Anlage tut es noch eine Weile.

wir sind an allem schuld (TAZ, 15.03.05)

… zum weltverbrauchertag
… hintergrund zum weltverbrauchertag (pdf)
… fehlendes verbrauchervertrauen hemmt entwicklung im internet (verbraucherzentrale bunderverband)

was ist ein :: deutschsprachig dichtender vorzeigeauslaender?

eine durchaus interessante haeufung von wertungen gleich im ersten satz des artikels:

– deutschsprachig dichtend (?)
– vorzeigeauslaender
– agitprop-aktionismus

ist das die wertende meinung von frau vogel oder eine vorauseilende (?) polarisierung hinsichtlich der kritik der freiheitlichen partei an zaimoglus ausstellung?

Der soeben mit dem Chamisso-Preis für deutschsprachig dichtende Vorzeigeausländer ausgezeichnete Feridun Zaimoglu kann seinen Agitprop-Aktionismus nicht lassen.

wien und sein tuerkentrauma (berliner zeitung, 09.03.05)

der autor :: reiht sich ein

die einreihung als kanonisierungsprozess – diesmal die aufgabe des feuilletons. der autor wird in beziehung zum kanon gesetzt: benn – doeblin – schnitzler.

Tellkamp reiht sich damit ein in eine erstaunliche Zahl von Autoren, die eine medizinische Ausbildung hatten. So waren allein drei der größten deutschen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts zugleich Ärzte.

aerzte zu autoren (berliner morgenpost, 12.03.05)

unter der :: betriebslaterne

auch sehr schoenes bild. den eintritt ins literarische feld zu beschreiben! die betriebslampen erhalten in dieser metaphorik eine geradezu familiaere setzung! schoen wie man das oekonomische hier privatisiert und ins niedlich vereinsmeiersche argumentiert.

Wie einst Durs Grünbein tritt Popp vollendet aus der Anonymität in das Licht der Betriebslampen.

im echoraum (FR, 14.03.05)