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Schlagwort: Literaturbetrieb

Der Nostalgiebus Bachmann beginnt wieder zu rollen …

Den Nostalgiebus habe ich natürlich nicht selbst aus der Wundertüte geholt, sondern aus dem Rahmenprogramm des diesjährigen Bachmannpreises geklaut. Überhaupt liest sie ja so ein literaturbetrieblicher Grossauftrag immer wie eine Kalauerbombe, die man als Leserin einfach hochgehen lassen muss.

Mit einem Nostalgie-Bus werden – startend am Neuen Platz – jene Orte in Klagenfurt aufgesucht, die einen direkten Bezug zu Ingeborg Bachmann haben.

Renate Aichholzer (staatlich geprüfte Fremdenführerin) erzählt während dieser Literaturreise aus dem Leben der Klagenfurter Schriftstellerin.

Quelle: Nostalgiebus”Bachmann erfahren”

Ich frage mich ja immer weniger schamhaft, wer solche Pressetexte schreibt oder schreiben muss? Ist es österreichisch, immer alles Sanktionsträchtige in Klammern hinter die Person zu formulieren? Mir bleibt dann immer nur das umzuformulieren, was als informativer Zusatz noch im Kleingedruckten steht: Bei Schönwetter offene Flucht …

Wie Ironie auch gerne in Verwirrung führt

Das Feuillton zu lesen, kann Vorteile haben. Mitunter kann man dem Feuilletonisten zusehen, wie ihn sein Thema überfordert. Roman Bucheli in der NZZ versucht zwar das Thema Frauenliteratur für sich und für andere (?) zu retten, verstrickt sich aber komplett zwischen ironischer Gegenwartsbeschreibung und vergangener potentieller Verve:

Mehr noch als das Thema des Podiumsgesprächs erstaunt jedoch der Umstand, dass tatsächlich nur Frauen aufs Podium zur Diskussion geladen sind. So wäre die Frauenliteratur selbst in historischer Rückschau nur eine Sache der Frauen, von und für Frauen? Sie wäre damit noch nicht einmal im Archiv angekommen, sondern da, wo sie nie hingehörte: im Abseits. Was vierzig Jahre Literaturgeschichte zum Glück nicht vermochten, schafft diese Programmkommission mit einem (gutgemeinten?) Federstrich.

Quelle: Von Frauen für Frauen, NZZ 27.04.10

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Jörg Sundermeier plädiert für offene Kritik

Einer der rareren Artikel, der versucht mal wieder auf die Produktionsbedingungen im literarischen Feld zu lugen: Jörg Sundermeiers Warum es dicke Bücher heute schwer haben.

Das alles wäre weniger ärgerlich, würde es offen verhandelt. Doch über die Bedingungen des eigenen Schreibens wird lediglich am Kneipentisch gesprochen. In einem Literaturbetrieb, in dem die Journalisten nicht wissen, wer ihnen morgen das Honorar oder das Zeilengeld überweist, ist eine offene Kritik schwer möglich.

Quelle: Jörg Sundermeier Warum es dicke Bücher heute schwer haben, Jungle World 28.01.10

Nun ja, es ist ja nicht so, dass es da nicht schon genug Vorarbeit etwa von Bourdieu zum Literarischen Feld gegeben hätte. Das Problem, dass die Bedingungen im literarischen Feld nicht offen verhandelt werden, ist ja genau das, was das Spiel, die Arbeit im Feld am Laufen hält. Bourdieu nennt das die von allen geteilte illusio – der Glaube an das Spiel.