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Schlagwort: Film

    Andre Bazin zum Festival von Cannes

    Leider habe ich den Orginalessay von André Bazin aus dem Jahre 1955 noch nicht gefunden, in dem er auf die religiöse Dimension des Systems Cannes eingeht:

    1955 beschrieb der französische Filmtheoretiker André Bazin Cannes als einen religiösen Orden, in dem der Kinobetrachter sein alltägliches, weltliches Leben aufgebe, um in den Festivalpalast, »jenes moderne Kloster des Cinematographen«, zu pilgern, den Gralsort der Cinephilie.

    Quelle: Dauerparty im Klostergarten, Zeit 21.5.2008

    Wiederabgedruckt in Englisch in Dekalog 3 – On Filmfestivals.

    bridget jones als elizabeth bennet

    mitunter hat das populaerevgl. schweppenhaeuser: kulturindustrie, populismus und das populaere (pdf) einen interessanten kern. der film „bridget jones“ (der noch mit der schokolade am tischnicht zu vergessen: der bridget jones test oder was rutscht bei ihnen nach zuviel drinks) ist so ein populaeres etwas. dem man nicht wirklich entkommen kann (es liegt nicht nur an colin firth ;-)). interessant ist daran. dass ich nun colin firth (bekannt durch austen verfilmungen) endlich richtig ins gemachte austen nest setzen kann – dank der verbindung zu austens „stolz und vorurteil“ (bbc) (wenngleich man zugegeben muss, dass die 3-er konstellation ohnehin typisch fuer austens texte ist):

    Miss Elizabeth Bennet, heroine of the tale, was now Bridget Jones, a thirty-something assistant at a London ad agency. Wickam, the charming-but-vile villain was now Daniel Cleaver, Bridget’s boss, and Mr. Darcy, the prideful gentleman with „ten thousand a year“ was Mark Darcy, a prominent human rights barrister.

    Bridget Jones’s Diary and the State of Modern Romance – alyssa guthrie

    Chanel: Werbung als Nouvelle Vague

    Nur die Musik von Godards Filmen katapultiert mich automatisch in etwas zurück, was Mark Terkessidis heute wohl „die Zukunft küssen“ genannt hat: man war eben so politisch wie poetisch emotionalisiert, es waren die endlichen 80er, in denen ich die ersten Godard Filme gesehen habe. Mein Lieblingsfilm von ihm noch heute – Pierrot le fou (Pierrot der Narr) mit einem gänzlich wunderbar anarchischen Belmondo. Auch wenn der Mann (Belmondo) die Theorie und die Frau (Anna Karina) die Praxis eingenommen haben. Heute favorisiere ich in einem Art postromantischen Ideal auch Godards Chinesin.
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    Chanel: Werbung als Nouvelle Vague

    Gut, man ist fasziniert, mal wieder die Musik von Georges Delarue zu hören und an Godard zu denken.

    Nur die Musik von Godards Filmen katapultiert mich automatisch in etwas zurück, was Mark Terkessidis heute wohl „die Zukunft küssen“ genannt hat: man war eben so politisch wie poetisch emotionalisiert, es waren die endlichen 80er, in denen ich die ersten Godard Filme gesehen habe. Mein Lieblingsfilm von ihm noch heute – Pierrot le fou (Pierrot der Narr) mit einem gänzlich wunderbar anarchischen Belmondo. Auch wenn der Mann (Belmondo) die Theorie und die Frau (Anna Karina) die Praxis eingenommen haben. Heute favorisiere ich in einem Art postromantischen Ideal auch Godards Chinesin.
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    Das ernsthaft Leichte oder war es umgekehrt: Jacques Rivette

    Mein erster Rivette – und ich bin immer noch ein wenig aufgeregt. :-)

    Irgendwie bin ich an Jacques Rivette bis jetzt vorbeigelaufen, dachte immer, er sei womöglich eine seichte Variante von Eric Rohmer. Aber: Va Savoir (F 2001) ist ein wirklich wunderbarer Film und da fallen einem nicht nur sehr viele Türen ein und auf und immer wieder zu (ein dolles Rezensionsfenster von jump-cut!), sondern nur diese Vergleiche, die man selbst ein wenig naja findet, ein ernsthaft und zugleich leichter und luftiger Film oder so ähnlich blumiges.

    Aber vor allem ist es wunderbar, Gesprächen zuzuhören (wer macht das heute noch so im Schnitt-Gegenschnitt wie das französische Kino ;-)) und gleichzeitig Bewegungen zu folgen. Das mag jetzt sehr banal klingen, das kenne ich aber in der Form nur von Nouvelle Vague Filmern und deren naheliegenden Derivaten.

    Der diskrete Charme der Bourgeoisie: Kommunikation durch den Hammelbraten

    3sat erfreut mich derzeit mit der Reihe „Der Zauber des Surrealen – Luis Buñuel und die Folgen„. Das interessante an Buñuels „Der diskrete Charme der Bourgeoisie“ (1972) ist das völlige Fehlen von Medien.

    So bedient sich die Bourgeoisie offenbar der noch älteren Kommunikation oder mittlerweile auch wieder neuen: dem Netzwerken. Man trifft sich zum Essen, zum Essen und zum Trinken und zum Essen. :-) Der Austausch passiert quasi durch den Hammelbraten. Sonst in Büros ab und an ein Telefon, das auch klingelt. Maschinelle Geräusche verhindern letztlich, dass Wahrheiten entstehen, über Ursachen gesprochen wird. Nur Träume, die wie Montageeinheiten nahtlos den Film vorantreiben, sind messerscharf an der Wahrheit, aber lassen den Zuschauer immer wieder ruhig ins Kissen fallen, sobald sie als solche erkannt werden.

    die funny scenes der fetten jahre

    auch die beste aller moeglichen kinowelten. nach dem abschalten der europaeischen satellitenanlagen – fuegt sich ja schoen in den kinematographischen schlusstrich – folgen auf der dvd "die fetten jahre sind vorbei" funny scenes. die ueblichen mal mehr mal weniger langweiligen rausgefallenen szenen. schoen. die botschaft hat also auch noch einen versoehnlichen ausklang. oder wie der ex-68er managerkandidat meinte. revolution muss ja auch spass machen. ;-)

    w.n.z.b.w. 

    Gilmore Girls und Boswell

    Nach langer Pause habe ich mir wieder eine Folge der Gilmore Girls angesehen und bin prompt über das Referenzenszenario gestolpert, dass diese Serie so anspruchsvoll sein läßt.

    Gerade noch mit James Boswell befasst gewesen, schon finde ich ihn flott zitiert bei den Gilmore Girls wieder. Während sich das Paar über die Stadt London unterhält, fällt ein Satz von Samulel Johnson: „When a man is tired of London, he is tired of life“ (Quelle). Das könne ja nur einer sagen, der noch nie eine Fernbeziehung gehabt hat. Rory Gilmore kontert haarscharf darauf: „Boswell war ja immer in seiner (Johnsons) Nähe“. So kalauernd also das, was von James Boswell heute übrig geblieben ist. Ich empfehle nur, lesen Sie sein Journal, das Londoner Tagebuch. :-) Da bleibt mehr als nur seine Beziehung zu Johnson zu entdecken.