Godards Week-End eine Satire?

Irgendwie schon ziemlich merkwürdig, in einer Programmzeitschrift Godards Week-End (1967) als Satire angekündigt zu finden. 😉 Kreimeier weist eher auf den manifesten Zirkuscharakter des Films hin, ich wuerde sagen, Godards Filme sind auch Thesenfilme und Week-End ist das in seiner Zuspitzung ganz besonders:

Diese Einstellung ist zugleich ein ironischer Kommentar auf den Kult des Individualismus, wie er im Zentrum des Spätkapitalismus steht. Keine zwei Autos im Stau sind gleich, und die Fahrer manifestieren noch auf ganz andere Weise ihre Differenz untereinander: mit den Dingen in ihren Autos, ihrer Kleidung und der Art ihres Zeitvertreibs.

Quelle: Von Godard sprechen – Kreimeier

Läuft heute um 0:35 im Ersten. Pflicht!

Chanel: Werbung als Nouvelle Vague

Nur die Musik von Godards Filmen katapultiert mich automatisch in etwas zurück, was Mark Terkessidis heute wohl “die Zukunft küssen” genannt hat: man war eben so politisch wie poetisch emotionalisiert, es waren die endlichen 80er, in denen ich die ersten Godard Filme gesehen habe. Mein Lieblingsfilm von ihm noch heute – Pierrot le fou (Pierrot der Narr) mit einem gänzlich wunderbar anarchischen Belmondo. Auch wenn der Mann (Belmondo) die Theorie und die Frau (Anna Karina) die Praxis eingenommen haben. Heute favorisiere ich in einem Art postromantischen Ideal auch Godards Chinesin.
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roger vadim: gefaehrliche liebschaften (1960)

nach milos formans "valmont" ist roger vadims "gefaehrliche liebschaften" (1960) richtig eine erholung. 🙂 naturgemaess "klassische" nouvelle vague. und alle langweilen sich. das gehoert zur nouvelle vague. 😉 die partysituationen erinnern an godard. vadim bleibt jedoch konventionell. aber eine unglaublich interessante adaption von laclos roman.

vor allem – im gegensatz zu formans valmont – wird stark an der gesellschaftlichen "kante" gearbeitet. das intrigenspiel von valmont und merteuil ist dort eben mehr als boeses spiel gegen gute minen. es ist der "kick" stets an der aufhebung des gesellschaftlichen zu laborieren. merteuil arbeitet gegen die langweile der ehefrauen an. wenn sie gesellschaftliche werte wie tugend. liebe. unschuld in ihr gegenteil verkehrt. all diesen werten wird der zerrspiegel der langweile vorgehalten.

Vadims Film ist frivol und nichts als das. Unsere Zeit braucht sich nicht betroffen zu fühlen, weil sie nicht getroffen wird. Die Schandtaten des Paares erregen uns so wenig wie uns die Schicksale ihrer Opfer – der flatterhaften Cecile und der dümmlichen Madame de Tourvel – anrühren. Jeanne Moreau und Gérard Philipe wirken wie Menschen aus einer anderen Welt, ein Eindruck, der durch den Schluss mit Hexenverbrennung und Schandmal noch verstärkt wird. (filmkritik, 1961)

Ces liaisons dangereuses/Gefährliche Liebschaften

stand by your guns :: turbulence.org

stand by your guns :: wir moegen ja gerne etwas “angeschraegte” flashprojekte. vor allem wenn das auch die optik miteinschliesst. mit dem motto “happiness ist a gun” ist die sektion “TV” abzufeuern – eine collage als feuerwaffe, das spiel mit der waffe in x-varianten (als memory oder als labyrinth) kann eine dann schon vom eigentlichen thema ablenken. aber: internet is a girl and a gun (um mal einen alten haudegenspruch aus einem film von godard zu paraphrasieren – na wie hiess der film?! :-)).

vielleicht sollte man dann als audiostream zeitgleich lewis la cooks surfing (mp3) laufen lassen. 🙂

via rhizome

GUTEN MORGEN! WIR BEGRUESSEN SIE ZUR FAHRT!

– so jetzt geht’s voran :: oder so aehnlich lauten die verschiedenen filmtitel. die Uren.Dagen.Nachten gesammelt hat. unglaublich – wieviele filme tatsaechlich mit “so” beginnen… (via Uren.Dagen.Nachten)

– gleich am morgen unterwerfen wir uns tapfer etwaigen tests :: SIE ETWA NICH! heute konnten wir immerhin ab & an per zufall punkten. zadie smith buch “white theeth” wird nun verfilmt und eine ueppige website scheint dies zu feiern :: dort findet man den british slang test (flash). (via turbanhead)

– turbanhead ueberrascht uns ja immer wieder mit intensiven informationen zum indischen kino :: heute bollywood vs southern indisch version “Malayalam”: “Unlike their North Indian Bollywood counterparts, the films from the southern Indian state of Kerala have always had lower productions values (a thrown punch sounds like an explosion, no fancy sets, few costume changes and fewer sweeping overhead crane shots), simpler story lines (mostly set in villages, boy-meets-girl-tragedy ensues type) and normal looking stars (the leading men all have moustaches and a slight gut, and inevitably all look like a young Saddam Husseins and the women were all voluptuous with ample hips and bosoms.)” (turbanhead)

interessant sind vor allem musik (mp3 aus Malayalam) und die von turbanhead aquierierte bildergalerie (oder wollten sie nicht auch sehen. wie in diesem indischen genre eine janet jackson aussehen koennte)

– literatur verwirft ja mittlerweile das buchdeckelgeschaeft und macht sich online in spielesocken auf. texte wie casinobungie aussehen zu lassen. wir muessen gestehen. auch uns laesst das nicht wirklich kalt: hier eine spielhoellenvariante – The Intruder zu texten von borges. (slokvav / flash) (via anne galloway)

– das netzwerk :: connex as usual :: nun wird amazon auch aus weblogs gefiltert :: buecher. ueber die in weblogs doziert wird. die auch bei amazon kaeuflich sind. werden aufgelistet: weblogs bookwatch – das positive dabei. endlich hat eigenwerbung eine update machine :: fuehrend sind u.a. buecher der weblogger selbst 😉

– william gibson ist ja der meist gepruegelte weblogger in der community :: wir verstehen das nicht :: nun gibt es doch auch gibson mit links! :: aber spass beiseite :: weblogs mit oder ohne links :: mit essaytouch oder ohne :: was ist das problem :: und wir lesen was uns auffaellt wie saetze von gibson heute: “Blogging seems to me to be as undemanding an activity, however congenial, as “writing” is demanding. Blogging is conversational, literally informal, and seldom even comes close to engaging the compositional gear-train required for even a brief essay, let alone for an extended work of prose fiction.” (william gibson) – das ist doch diskussionswuerdig oder?

– und wir halten die kamerlinse fuer anna karina dennoch hoch :: wir lassen uns die sticker der vergangenheit nicht einfach so kaputt machen! :: was muss man sich morgens alles ansehen :: wir sind fuer ein weiteres revival von jean luc godard :: und verbitten und verbieten uns derartige retrodrinkgelager :: the jean luc godard drinking game :: KIPPEN! KIPPEN! (via fimoculous)

surfing around && reading blogs

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der kult um das buch 🙂
der mao kult und andere
propagandaposter aus china

wir flanieren heute globetechnisch und sehen john (sinosplice weblog/china) im internetcafe in kunming ueber die schulter (1.5 yuan/hour, or $0.19/hour) und sehen sie auch die uniformierten. im fernsehen laeuft die show “Rensheng AB Ju” in zhejiang. eine art surf show mit links:

On this show the beginning of a story is told by video to the audience, then stopped, and the watchers are given two choices: A and B. Which should the person take? The three guests (usually of minor fame) are then asked by the host which choice they think is best and why. After that a few guests from the studio audience are asked their opinions. Then the story continues to the next juncture, another A/B choice is presented, and so on.” (sinosplice weblog)

wir drehen uns weiter und stossen auf die “Keitai“-jugend auf der Shibuya Crossing (der strassenkreuzung mit der staerksten handydichte) in Tokyo.

Keitai-wired youth are in persistent but lightweight contact with a small number of intimates, with whom they are expected to be available unless they are sleeping or working. Because of this portable, virtual peer space, the city is no longer a space of urban anonymity.” (A New Set of Social Rules for a Newly Wireless Society – Mizuko Ito, s.a. Mobile Phones, Japanese Youth, and the Re-placement of Social Contact)

was haben godards mao bibeln mit morettis verspa zu tun?

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