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Kategorie: Lektüren

Jörg Sundermeier plädiert für offene Kritik

Einer der rareren Artikel, der versucht mal wieder auf die Produktionsbedingungen im literarischen Feld zu lugen: Jörg Sundermeiers Warum es dicke Bücher heute schwer haben.

Das alles wäre weniger ärgerlich, würde es offen verhandelt. Doch über die Bedingungen des eigenen Schreibens wird lediglich am Kneipentisch gesprochen. In einem Literaturbetrieb, in dem die Journalisten nicht wissen, wer ihnen morgen das Honorar oder das Zeilengeld überweist, ist eine offene Kritik schwer möglich.

Quelle: Jörg Sundermeier Warum es dicke Bücher heute schwer haben, Jungle World 28.01.10

Nun ja, es ist ja nicht so, dass es da nicht schon genug Vorarbeit etwa von Bourdieu zum Literarischen Feld gegeben hätte. Das Problem, dass die Bedingungen im literarischen Feld nicht offen verhandelt werden, ist ja genau das, was das Spiel, die Arbeit im Feld am Laufen hält. Bourdieu nennt das die von allen geteilte illusio – der Glaube an das Spiel.

Bin umgezogen: dadasphin.de

Grund genug eigentlich, würde man denken, für einen Umzug. Die Dadasophin hat ein Buch und damit habe ich eine neue Webseite schnell hochgebaut.

Auf dadasophin.de geht es also jetzt erst mal weiter, nach und nach werde ich die Inhalte von hier nach dort aufarbeiten oder auch nicht. :) Das lass ich mir selbst noch offen. Auch der RSS-Feed ist nun erneut neu.

Auf gutes und schnelles Wiedersehen! :)

Avantgarde-Bashing der gängigen Art

Die Rezeption lässt sich ja weniger bestimmen und trotzdem nervt mich dieses Nachtreten. Wer auch immer diesen Text für den Lyrikkalender des Deutschlandradios verfasst hat, hat sich mit Dadaismus noch nie beschäftigt, ihn gänzlich missverstanden.

Der stets auf überraschende Abweichungen bedachte Universalkünstler, Architekt und Dichter Kurt Schwitters (1887-1948) hat nach 1919 eine Reihe von Gedichten verfasst, die sich von der verbissenen Programmatik (Hervorh. Sylvia Egger) des von ihm unterstützten Dadaismus lösen und in der “Merzdichtung” variationsreiche Formen des Wort- und Laut-Spiels zelebrieren.

Quelle: So, so!, Deutschlandradio Lyrikkalender

In einer Charakterisierung des Dadaismus als verbissen programmatisch findet man exemplarisch wieder, was man Avantgarden und deren Programmen immer nachsagt. Es ist schlicht langweilig, das immer wieder lesen zu müssen. Schliesslich ist ein Programm eben ein Programm und ist programmatisch, was meint, man positioniert sich, ob es anderen nun passt oder nicht.

TAZ: Über aktuelle Serien Plattitüden verbreiten

Im Grunde auch nur eine Plattitüde, aber man merkt, wie das Zeitungsniveau runtergeht, wenn es um Themen wie Serien und TV geht. Der aktuelle Artikel zu Serien und Serienstrukturen in der TAZ Wir Serientäter ist derart einfach zurecht gestrickt – schade, weil gerade aus den im Artikel durchaus genannten Qualitätsserien wie Mad Men lässt sich schon ganz andres rausholen. Was nun solche Serie mit dem Roman des 19. Jahrhunderts zu tun haben kann oder soll, bleibt schon eher beliebig – vor allem fällt dieser Vergleich regelmäßig, wenn grade nichts andres zur argumentativen Hand ist:

Semiotisch können es diese Reihen mit jedem großen Roman des 19. Jahrhunderts aufnehmen, ja sie sind selbst das Äquivalent zu den eminenten Textarchitekturen der bürgerlichen Epoche. Riesenwerke, die über den Fortgang von sechs, sieben oder mehr Staffeln gesellschaftliche Panoramen auffächern, wie es bislang nur die epische Literatur vermochte.

Quelle: Wir Serientäter, TAZ 30.1.10

Andre Bazin zum Festival von Cannes

Leider habe ich den Orginalessay von André Bazin aus dem Jahre 1955 noch nicht gefunden, in dem er auf die religiöse Dimension des Systems Cannes eingeht:

1955 beschrieb der französische Filmtheoretiker André Bazin Cannes als einen religiösen Orden, in dem der Kinobetrachter sein alltägliches, weltliches Leben aufgebe, um in den Festivalpalast, »jenes moderne Kloster des Cinematographen«, zu pilgern, den Gralsort der Cinephilie.

Quelle: Dauerparty im Klostergarten, Zeit 21.5.2008

Wiederabgedruckt in Englisch in Dekalog 3 – On Filmfestivals.

Revolver 21: Mark Peranson

Ein sehr guter Text von Mark Peranson Erst kommt die Macht, dann das Geld im aktuellen Revolver Magazin Nummer 21.

In der gegenwärtigen Konstellation könnte der Filmkritiker somit eine wichtige Funktion erfüllen, indem er seinen Lesern die Funktionsweise des System erläutert. (…) Die eigentliche Kritik muss an dem System (Film, Anm. S. E.) selbst ansetzen.

Quelle: Mark Peranson: Erst kommt die Macht, dann das Geld, Revolver 21

moto phéno :: das mysterioese raetsel

eine mysterioese postkarte aus dem jahre 1912 – hat jemand vielleicht infos zum motiv? :-)

Update:
Nach all den Jahren – ich habe die Karte mit der Frage 2004 eingestellt – hat sich tatsächlich jemand gemeldet, der mir ein paar weitere Informationen dazu gegeben hat:

Moto-Phéno die lebende Puppe: Vornehmste, interessanteste Schau der Gegenwart. Auch für Familien. Willi Schoenen gen: Moto-Phéno. Friedrich Hirsch, Impresario. Moto-Phéno, der einzige Mensch, der durch unbeugsame Willenskraft sich selbst hypnotisiert und in der Hypnose eine Puppe imitiert.

Quelle: circusmuseum.nl

Zielinski im Video zur Anarchäologie

Mir ist das heute auch ein wenig peinlich, weil ich nachts von einer Wiederbegegnung mit meinem alten Professor Zielinski geträumt habe. Da suche ich dann durch diverse Blogs und bleibe bei einem Video (56 Min.) von hactivist.tv hängen, in dem Zielinski sehr ausführlich zu seinem Konzept der Anarchäologie berichtet. :)

Da ich ihm denn doch theoretisch eine Anschubfinanzierung verdanke, von der ich heute noch rudimentär zehre, knüpfe ich immer mal wieder an diesen alten Strang der Medientheorie an.

Zeitschrift Fantomas leider eingestellt

Nicht jede Ausgabe der Zeitschrift “Fantomas” habe ich auch gekauft, aber doch fast jede zweite. :) Schade nun, dass nach der Sommerausgabe das Projekt eingestellt wurde:

Der Clash kam für uns alle so plötzlich, dass wir als Kollektiv hier nicht viel mehr tun können, als ihn festzustellen. Wir haben keine gemeinsame Deutung von dem, was passiert ist, und dass wir sie nicht haben, reflektiert vor allem, wie tiefgreifend der Bruch ist.

Quelle: Stellungnahme der Zeitschrift Fantomas

Aus der Stellungnahme kann man gut erkennen, wie wichtig permanente Ortsbestimmung ist, je länger Gruppen schon zusammenarbeiten, desto öfter. Ja, das kenne ich gut. :)

Reihe zum Popfeminismus (Jungle World) – Anmerkungen

Der Start der Diskursreihe zum Stand des Popfeminismus in der Jungle World: Die dritte Welle (Tara Hill, Jungle World Nr. 12/08)

  • Vergleich des Popfemismus mit dem amerikanischen Third Wave Feminism
  • Der Begriff “Popfeminismus” wird aus dem Buch von Sonja Eismann “Hot Topic” definiert.
  • theoretisch orientiert sich der Popfeminismus wie die Third Wave an der dritten Welle der Postmoderne (Foucault, Derrida, Butler).
  • Kritik der Popkultur mit feministischem Instrumentarium

Im kleinen Glossar des Popfeminismus Pop oder post, gender oder trans? (Jungle World, Nr. 12/08) werden die Begriffe “Postfeminismus A” und “Postfeminismus B” erläutert: Ersteres steht für den Feminismus von Alice Schwarzer (Mainstream) und den Postfeminismus von Serien wie “Sex and the City” (ebenfalls Mainstream). Letzterer meint den Postfeminismus von Judith Butler. Das scheinen eigene Begrifflichkeiten zu sein, man findest sonst keine Referenzen dazu.

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