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Kategorie: Lektüren

der markt als vorgesetzter

„Der Markt übt heute mindestens eine genauso große Gewalt aus wie früher der Vorgesetzte. Nur dass man mit ihm nicht verhandeln kann“, sagt Kratzer. „Wenn es heißt: ‚Die Firma geht pleite, wenn wir diesen Auftrag nicht bekommen oder dieses Projekt nicht rechtzeitig fertig wird‘, gibt es kein Argument dagegen.“

Wenn der Job am Leben frisst (sueddeutsche, 27.02.05)

komischer abend im kanzleramt :: reich-ranicki und gruenbein

Diese arglose Frömmigkeit prägt ja gegenwärtig die meisten Diskussionen über Kultur. Literatur, Musik, Malerei fördern Frieden und Völkerverständigung und den Aufbau einer zivilen Identität. Dass die Nationalliteraturen stark beigetragen haben zum Nationalismus der europäischen Länder, der wiederum Europa erst einmal kaputt gemacht hat, scheint unbekannt.

der kritiker als komoediant (TAZ, 26.02.05)

do it :: hans-ulrich obrist

Do it, das sich seit zwei Jahren entwickelt, ist nach wie vor eines meiner Hauptprojekte. Hier geht es um den Begriff der Handlungsanweisung. Die Handlungsanweisung in der Kunst war eigentlich immer präsent. Bereits bei Rubens ist sie implizit vorhanden. Explizit kam sie zum ersten Mal in diesem Jahrhundert bei Duchamp vor, der aus Argentinien seiner Schwester in Paris telegraphisch mitgeteilt hatte, sie solle auf einem Balkon das Ready-made Malheureux realisieren. Kurz danach hat Moholy-Nagy zum ersten Mal eine Arbeit über das Telephon verwirklicht. Im Zusammenhang mit Fluxus sind Handlungsanweisungen ebenfalls sehr wichtig, beispielsweise bei Alison Knowles, George Brecht etc. In den 70er Jahren wiederum hatte Pistoletto Anweisungen für seine „Cento Mostre“ gegeben. Im Gegensatz zu dem eingefrorenen Ready-made, wie dem Flaschentrockener von Duchamp, der heute in einer Glasvitrine im Museum steht, geht es bei do it um den fluiden Ready-made-Begriff, der auch bei Duchamp vorkommt, wie zum Beispiel: „Man nehme ein Lexikon und streiche alle Wörter, die einem mißfallen“. Das kann jeder realisieren, auch heute noch. Bei dieser Art von Ready-made bleibt alles fließend.

ein gespraech mit hans-ulrich obrist

… das projekt „do it“ im web auf e-flux
… als buchversion im revolverlag
… die tv-version im museum in progress

rezeptsammlung (TAZ, 26.02.05)

kino babylon wird geschlossen

kinobabylon.jpgMit der Vorführung von Peter Bogdanovichs „Die letzte Vorstellung“ erlebt auch das Kino Babylon am Rosa-Luxemburg-Platz seine vorerst letzte Vorstellung. Der Film ist am Sonntag ab 21.30 Uhr zu sehen; zuvor, um 19 Uhr steht Paul Wegeners Stummfilm „Der Golem, wie er in die Welt kam“ auf dem Programm.

Letzte Vorstellung im Kino Babylon (berliner zeitung, 26.02.05)

… die entsprechende pressemitteilung des filmkunsthauses babylon
… die homepage des filmkunsthauses babylon
… der babylon-block mit filmkunsthaus (entworfen von hans poelzig)
gemischtwarenplanung fuer das babylon (scheinschlag, 10/04)
… Kinolandschaft vor Veränderung (rbb abendschau 22.02.05, real audio)
wir sind kein tacco-kino (TAZ, 28.04.01)
babylon, stazione termini (TAZ, 12.11.04)
… das leise sterben der kinos (berliner morgenpost, 23.02.05)
abteilung knorkefinden (junge welt, 15.11.04)

… zu hans poelzig
biographie (museum der dinge)

wolfgang bauer :: change

Blasi wird zum Monster. Der schüchterne Mann kommt in Wien in die richtige Kunst-Clique. Die wollen ihn aufbauen und dann in den Selbstmord treiben. Blasi durchschaut den Plan und dreht den Spieß um. Eine tolle österreichische Karriere, die uns sehr viel sagt über Manipulation.

entblaettere kunst – erwin steinhauer (presse, 24.02.05)

… wolfgang bauers change am wiener volkstheater
… change – oe1 morgenjournal (real audio, 23.02.05)

RAF :: aesthetisiert und entpolitisiert

Ein Fazit drängt sich auf: Was dem Betrachter zunächst als Gegensatz erscheinen muss – die verharmlosende Ästhetisierung der Terroristen in Kunst und Mode einerseits, ihre endgültige moralische Vernichtung in der jüngeren Publizistik andererseits -, verträgt sich auf den zweiten Blick sehr gut. Beide Male wird die RAF ihrer politischen Attribute entkleidet. Der einst «heisse» Kontext, in welchem auch hellere Köpfe wie H. M. Enzensberger wähnten, eine in der Kontinuität mit der Nazivergangenheit stehende Staatsmacht provoziere in Deutschland die längst überfällige Revolution, spielt in den Betrachtungen keine Rolle mehr, es sei denn als leerer Wahn. Doch auch Wahnhaftes kann politische Befindlichkeiten bestimmen. Die zweifellos begrüssenswerte Entmystifizierung der RAF muss sich hüten, die Zeitstimmung, in welcher die Bonner Republik um 1970 befangen war, zu unterschlagen.

Geschmack am Töten als das letzte Motiv (NZZ, 24.02.05)

24 :: conspiracy

In den USA und Großbritannien ist die erste alleine fürs Handy produzierte Fernsehserie bereits angelaufen: „24 Conspiracy“ vom Erfinder der TV-Serie „24“.

24: neue tv-serie nur fuers handy (standard, 23.02.05)

… sollte die dann nicht handy-serie heissen? 🙂
… mehr infos auf der vodafone page zur serie
… infos auf 24.tvheaven
… bei anruf mord (sueddeutschte, 17.02.05)
… ein weblog. der sich der 24 annimmt

interview mit wolfgang kraushaar

Seit dem 11. September 2001 haben wir es freilich mit einem ganz anderen Terrorismus zu tun.
Kraushaar: Was die islamistischen Attentäter anbetrifft, ist zumindest hierzulande eines vollkommen klar: Es gibt auch nicht einen Hauch an Begründbarkeit für derartige Schreckenstaten. In den 70er Jahren war das anders. Damals hat es in Teilen der Öffentlichkeit eine Diskussion darüber gegeben, ob sich die RAF – selbst wenn sie keine legitimen Mittel hatte – vielleicht nicht doch für legitime Ziele einsetzte? Es gab also noch eine Art Restkontroverse, die damals ausgetragen worden ist. Das ist ein bedeutender Unterschied zum gegenwärtigen Terrorismus .

Kunst allein kann den Terror nicht erklären – interview mit wolfgang kraushaar (maerkische allgemeine, 22.02.05)