RAF :: aesthetisiert und entpolitisiert

Ein Fazit drängt sich auf: Was dem Betrachter zunächst als Gegensatz erscheinen muss – die verharmlosende Ästhetisierung der Terroristen in Kunst und Mode einerseits, ihre endgültige moralische Vernichtung in der jüngeren Publizistik andererseits -, verträgt sich auf den zweiten Blick sehr gut. Beide Male wird die RAF ihrer politischen Attribute entkleidet. Der einst «heisse» Kontext, in welchem auch hellere Köpfe wie H. M. Enzensberger wähnten, eine in der Kontinuität mit der Nazivergangenheit stehende Staatsmacht provoziere in Deutschland die längst überfällige Revolution, spielt in den Betrachtungen keine Rolle mehr, es sei denn als leerer Wahn. Doch auch Wahnhaftes kann politische Befindlichkeiten bestimmen. Die zweifellos begrüssenswerte Entmystifizierung der RAF muss sich hüten, die Zeitstimmung, in welcher die Bonner Republik um 1970 befangen war, zu unterschlagen.

Geschmack am Töten als das letzte Motiv (NZZ, 24.02.05)

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