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Kategorie: Lektüren

das bild des kristallpalasts :: im weltinnenraum des kapitals

Wenn die aktuelle Welt als „Empire“ im Singular behandelt wird, verpasst man die Pointe, dass die aktuelle Kapital- und Komfortwelt eine hochgradig exklusive Struktur ist. Ich nehme dagegen von Dostojewski das Bild des Kristallpalasts auf, mit dem er schon in den 1860er-Jahren die westliche Konsumwelt auf den Begriff gebracht hat. Man muss heute seine „Aufzeichnungen aus dem Kellerloch“ wieder lesen – das ist die Magna Charta der Globalisierungsgegnerschaft und des antimodernen Ressentiments. Man kommt von Dostojewskij sowohl zu Attac als auch zu den Islamisten. Der große Vorteil der Kristallpalastmetapher besteht darin, dass man schon am Namen das Entscheidende abliest: Hier hat man es mit einem Gebäude zu tun, das eine enorme Innen-Außen-Differenz aufrichtet. Der Ausdruck „Empire“ hingegen suggeriert, dass alles bereits vom System erfasst ist. Wenn man genau hinsieht, erkennt man, dass Negri eine Mystik des Dagegenseins pflegt, die das Ganze als Gegner braucht – so wie einst der Christ die Welt als Folie für Weltflucht brauchte. Ich lese das wie eine Totenmesse für den Linksradikalismus.

therapie fuer die linke – peter sloterdijk im gespraech (falter 23/04)

einzug in die literaturgeschichte: die arena text+kritik

Dies ist immer eine Art Nobilitierung: Wem die Zeitschrift „Text+Kritik“ eine Nummer widmet, der kann mit dem Einzug in die Literaturgeschichte rechnen. Im Grunde stünde den Geehrten von da an ein ordentlicher Titel zu – etwa Sir Eckhard (Henscheid) oder Dame Marlene (Streeruwitz).

nostalgie ist immer suesses gift (welt, 05.03.05)

wie man ein intellektueller wird

Achten Sie auf kleine, aber wichtige Details: wenn Ihnen im Urlaub der Sinn danach steht, den neuesten Schmöker von Dan Brown zu lesen, dann packen Sie Ihn bitte in den Umschlag eines vom Umfang her einigermaßen passenden Elfriede-Jelinek-Romans ein. Sie weisen sich damit geradezu als Leuchtfeuer der österreichischen Zivilgesellschaft aus.

wie man ein intellektueller wird – christian ortner (presse, 07.02.05)

aus dem jelinek-rezensions-woerterbuch

rezensionen ueber jelenik und ihre texte werden immer mit netten rezensionsbildern und -andenken – meisthin ganz wunderbar gesucht und entsetzlich schnell gefunden – ausstaffiert. daher werden wir das hier jetzt mal sammeln. irgendwie vorschnell eintueten. damit wir uns weiterhin nicht mehr so darueber aufregen und schnell hier nachschlagen koennen und sagen. alles schon so oder aehnlich dagewesen im rezensionsbimbam.

ad. personam
… jelineks kopf > eine krampfige Zitatzettelboutique (FAZ, 03.03.05)

ad. textem
der Jelinek-Qualm (FAZ, 03.03.05)
Textgeschwafel (FAZ, 03.03.05)
semantisches Rinnsal (standard, 04.03.05)
wortschwall (wird dauernd verwendet, zuviele quellen :-))
Frauenstammtischhumor (FAZ, 21.02.05)

to bee continued …

die besten jahre :: la meglio gioventu

irgendwie wird man den geschmack des abgesangs in den letzten jahren nicht mehr los. und die jahre des/der politischen aktiven kommen einem in diesem filmen vor wie eine maechtige anekdote:

… die besten jahre – trailer

Ich liebte die Filme von Visconti, als ich ein junger Mann war. Ich bin gegen den Strom geschwommen: in den siebziger Jahren dachten meine vom Kino begeisterten Freunde, dass ich etwas unorthodox bin! Rossellini war ihr Idol und mit ihm verglichen war Visconti nur ein sperriges Wrack. Ehrlich gesagt liebte ich beide und ich habe nie verstanden, warum man für einen von beiden Partei ergreifen mußte. Das Gute am Kino ist, dass man viele verschiedene Dinge sehen und lieben kann, sogar gegensätzliche: Kino hat keine Regeln, sagt Godard, darum lieben es die Leute immer noch! Daher: Visconti genauso wie Rossellini. In Die besten Jahre kann man beide Einflüsse erkennen. Natürlich ist der Film ganz anders als ihre Filme – anders könnte es gar nicht sein.

interview mit dem regisseur marco tullio giordana (pdf)

… rezensionen
… das leben ist schoen (jungle world, 03.03.05)
viele falsche opfer (zeit, 03.03.05)
die dinge des lebens (FAZ, 04.03.05)
fette jahre, zahnlose zeit (TAZ, 05.03.05)

… www.lamegliogioventu.com

mit schillers souvenirs durchs jahr

Im kulinarischen Bereich bieten wir den Schillerpunsch“, ergänzt Marcella von Uthmann vom Museumsladen, einem Tochterunternehmen der Stiftung Weimarer Klassik. Das Getränk wurde nach Schillers „Punschlied“ entwickelt. (…) Neu im Museumsladen sind die Ausstechformen, mit denen Plätzchen im Schillerprofil gebacken werden können, sowie Sticker mit der Aufschrift „Schiller verboten“.

von der nudel bis zum punsch: schillernde souvenirs im jublilaeumsjahr (berliner morgenpost, 04.03.05)

… wie waers mit „drueckmal“ – eine holzspielzeug-variante des goethe-schiller-denkmals in weimar?
… schillernd ins neue jahr (kritische ausgabe)

die viertelliterklasse :: der film

und schon wieder neues aus dem kabarettgruenden: die viertelliterklasse von ronald dueringer und florian kehrer.

… treffpunkt kultur – 28.02.05 OE1 (ausschnitt: mp3)
… der staendige filmriss (presse, 03.03.05)
kleine bildergalerie zum film
… die webseite zum film: www.dieviertelliterklasse.at
… trailer zum film
… der soundtrack zum film mit vielen soundausschnitten

nun wir wuerden sagen wollen: soviel mal dueringer war schon lange nicht mehr. hoffentlich wird das nicht zuviel auf einmal. 🙂

der diskurs der uebergeschnapptheit

der diskurs von verruecktheit und wahnsinn wird ja gerne ins diskusive feld gefuehrt. danke herr lau. das hilft uns wirklich weiter! 😉

Allerdings ist ein bestimmter Typus des Intellektuellen in Gefahr: der „klassische“ Typus, wie ihn derzeit der französische Soziologe Jean Baudrillard oder der italienische Philosoph Giorgio Agamben verkörpern. Diejenigen, die zu allem eine rhetorisch ausgefeilte Meinung haben, bekamen in Potsdam schlechte Noten. Der „Zeit“-Autor Jörg Lau etwa plädierte gegen die „Übergeschnapptheit“ von Baudrillard & Co. – und für neue Stimmen aus jenen Ländern, deren Krisen und Kriege wir fest im Blick haben und deren innere, intellektuelle Kritik wir dabei gern übersehen.

intellektuelle? chimaere! verrat! (berliner zeitung, 03.03.05)

unvergessener hochstapler :: felix krull

In „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“, seinem letzten Roman, der ihm 1954 noch einmal einen veritablen Welterfolg bescherte, hat Thomas Mann kaum etwas erfunden. Es schwebte ihm für seinen Felix beispielsweise optisch kein Geringerer als Kronprinz Gustav Adolf von Schweden vor, so wie ihn die Zeitschrift „Die Woche“ 1913 auf ihr Titelbild nahm – in engverschnürter Husarenuniform, die schon jene betreßte Pagenlivrée erahnen läßt, in welcher der smarte Felix im Roman Madame Houpflé verführen wird oder besser: sich von ihr verführen läßt.

unvergessslicher hochstapler (berliner morgenpost, 03.03.05)

… Felix Krull – Szenen einer schönen Welt – ausstellung
… 50 jahre thomas manns felix krull (pdf)
… felix krull gabs sogar als 5-teilige tv-serie
… auch als superkurzfilm (1min.) und in super 8 😉

das problem der simulation am beispiel der bekenntnisse des hochstaplers felix krull und der tagebuecher thomas manns – uta buttkewitz (dissertation, pdf)
rheingau, mainz, wiesbaden und frankfurt – die kindheit in thomas manns „bekenntnisse des hochstaplers felix krull“ – holger r. stunz (pdf)