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Kategorie: Lektüren

der literarische blog :: im dschungel

es mutet schon seltsam an. wie sich die literaten und literatinnen dem werkzeug „weblog“ annehmen: sie positionieren es auch gleich mit einem ihnen entsprechenden namenszug – der literarische weblog (in abgrenzung zum gemeinen weblog). im grunde sollte man alban nikolai herbst bei seiner kleinen theorie des literarischen bloggens ziemlich in die theorietasche schauen.

da werden vorbilder (online.tagebuch) angefasst und sich zugleich wieder davon abgesetzt. weil ein literarisches tagebuch als weblog pin up ist eben schon wieder was andres. dabei muesste man ihm schon in die parade fahren. was die ausformung eines genres betrifft. das diverser nicht sein kann und von ihm ins poetische gedreht und gedrechselt wird. was dem genre weblog an sich nicht weh tut. aber dabei hilft. auch noch das bloggen in die literarische theorie adrett zu ueberfuehren.

wir wuerden sagen. lieber dschungel. das bleibt zu unwidersprochen. so einfach sollte man es sich mit dem kleinen theorem drehen nicht machen. 🙂

und nur unter uns weblognarren: die dschungel mag eine cut und paste und puzzelierungs auflage sein. aber mit benjamins passagenwerk hat es nur in seiner paragraphierung zu tun. nicht jedes theoretisieren ueber ist gleich passage. 😉

schwulst lass nach …

sich in poesie fluechtender schwulst bleibt trotzdem einer:

Meine Art, dich aufzugeben, Jeaujeau, für immer aufzugeben, an einem beliebigen, dreiundzwanzigsten Abend im Mai, ich würde mich nicht wundern, wenn das ein Sonntag war, meine Art, dich aufzugeben, und diesmal wirklich für immer, könnte darin bestehen, diesen Roman, schon aus Trotz, so weiterzuschreiben, als wäre die Austauschbarkeit einer jeden Liebe die einzige hastige Variante mit Herz, soviel Glück wie möglich fast ununterbrochen erleben zu dürfen, bis die Augen sich, am Ende, selber nicht mehr retten können.

sonntage ohne unterkunft – thomas kunst (zit. nach die dschungel)

don quijote lesen – ringvorlesung

sehr schoener hinweis vom romblog auf die muenchner ringvorlesung zu „don quijote lesen“ (wieviele schreibweisen dieses romans gibts eigentlich! :-)) – nach und nach werden auch die inhaltsverzeichnisse bzw. ganze texte online gestellt.

wenn wir reich waeren :: wuerden wir alle oeffentlichen gebaeude …

nun. wir haben ja selten das noetige geld und die instituionelle notwendigkeit. oeffentliche gebaeude mit einem subversivem literarischen namen zu versehen: conversational reading hat seine leser aufgerufen. sich solche auszudenken. falls sie reich und diese moeglichkeit haetten – The Underground Literary Alliance Center for Remedial Adult Literacy z.b..

paris hat kein ende – enrique vila-matas

Ich reiste nach Key West, Florida, und meldete mich bei dem diesjährigen Wettbewerb für Doppelgänger des Schriftstellers Ernest Hemingway an. Die Veranstaltung fand im ›Sloppy Joe’s‹ statt, der Lieblingsbar des Autors in Cayo Hueso im äußersten Süden von Florida. Ich brauche wohl kaum zu erwähnen, dass die Teilnahme an diesem Wettbewerb – der einen großen Zulauf von kräftigen, graubärtigen Männern verzeichnete, allesamt auf lächerliche Weise detailversessene Hemingwaydoubles – ein einmaliges Erlebnis war.

paris hat kein ende – enrique vila-matas (nagel & kimche)

rezension deutschlandradio (29.04.05)
… blick zurueck zur postmoderne (NZZ, 04.05.05)

der optische schauder :: duchamp

Seit Courbet meint man, die Malerei wende sich ausschließlich an das Auge – ein allgemeiner Irtum. Der optische Schauder![*] Vorher hatte die Malerei ja auch andere Funktionen, sie war religiös, philosophisch oder moralisch ausgerichtet. Ich selbst habe zwar glücklicherweise zu dieser Anti-Netzhaut-Position gefunden, aber viel geändert hat sich dadurch nicht: unser gesamtes Jahrhundert ist dem Optischen verfallen.

marcel duchamp, zit. nach peter bexte. blinde seher (1999)

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* zit. von michael naumann „ohne antwort ohne trost“ (zeit, 04.04.05)

blinde seher – peter bexte

Die Kunstgeschichte des Sehens ist nicht zu haben ohne eine Kunstgeschichte der Blindheit. Mit diesem paradoxen Satz ist die Grundüberzeugung des vorliegenden Buches ausgesprochen. Es geht einem irritierenden Sachverhalt nach: Allzuviele Formen des Nicht-Sehens begegnen uns im Medium der Sichtbarkeit schlechthin, dem Bild. Sie erscheinen in der Kunst des 20. Jahrhunderts nicht weniger als in gemalten Blindengleichnissen der älteren Schulen. Dort sieht man die symbolischen Blinden in ein Blickfeld treten, an welchem sie nicht teilhaben. Mit tastenden Händen durchmessen sie einen Raum, dessen Visualität erst recht aufscheint, indem sie durchgestrichen wird.

blinde seher – peter bexte (verlag der kunst 1999)

a permanent longing :: for authority

This rhetorical trope is almost a historical one (implicitly looking for a saviour). It is a culturally deeply embedded longing for an authority that drives those frustrated odes that cannot wait any longer for him. Or her: the bloggg of the German world. Is that really of essence in a global world? I dare to doubt that.

tropes and walls (randgaenge, 28.04.05)

wie wahr. wie wahr! 🙂 auch die assyrische weblogdebatte – sehr schoen.

blogger :: sind schwach auf der brust

schon lustig so was. da hackt der eine blogtreiber auf den anderen blogbetreiber ein. weils layouttechnisch minimalistisch ist und/oder semantisch und syntaktisch nicht sofort auf den weblogpunkt kommt. soso.

aha. also – werter gefalteter ronsens – machen sie sich nur keine allzu grossen kummerfalten ob dieser kritik:

a. sind die meisten bloggerinnen eher schwach auf der sprachlichen brust. dann bleibt halt nur die keule (um mal hier schlicht zu luis defueneen).

b. ist laengst das blitzblanksaubere weblogzeitalter ausgebrochen. das die ummantelung von information gerne mit bannern. buttons und postern besorgt. nun gut. google ad sensus als neuer gestaltungssinn sollte dann auch zu den 5 fuenf sinnen hinzugebogen werden.

c. ist es besser. der kritiker kommt nicht persoenlich zuhause vorbei. um seine vorstellungen ueber die schoene.neue.bunte weblogswelt zu verbreitern. dazu gibts ja weblog reservate. wo sich gut austoben laesst.

d. ist wirres selbst eine komplette bleiwueste und strebt wahrscheinlich nur danach. vorbilder fuer die eigene weblog-portfolioisierung zu finden (achtung: ganz anderen blickwinkel einnehmen).

e. zum flickr. noch mal. dank superkodakisierung ganzer generationssegmente. ist ohnehin jeder sekuendlich dabei. was scharfes in den weblog zu patentieren. dazu eine schulnoten-debatte einzufaedeln. geht dann eher nach hinten los. (im uebrigen – wenn wir schon den ollen mitbewerber-jargon rauskramen wollten – sind die fotos von wirres auch nicht besonders scharf).

f. wir hoffen. durch dieses kleine reaktions-baukaestchen keine blog mem(m)en wachgeruettelt zu haben (also bitte nicht anhaengen – wir sind da eigen!).

g. weinen wir selbstredend staendig unserem fruehwerk nach und suchen noch immer die anfaenge. wo keine mehr sind. waren eben schlecht gesichert. in der weblog wand.

thomas manns lexikon :: das grosse unbekannte

es mag ja moeglicherweise schon gut editierte buecher von thomas mann geben (die heissen ja dann auch immer so schoen: ausgaben mit anmerkungen – mal sinds dann mehr. mal weniger (wir kaufen ja gerne die gruenen von reclam. die gleich ein ganzes schmales werk als anmerkungshefter bieten – wir koennten da immer in sowas versickern).
nun denn trotzdem ist die sammlung von bov zu thomas mann werken interessant. weil es einen knappen. linearen ueberblick gibt zu woertern. die uns heute nicht mehr ganz so gaengig oder gaenzlich vergessen sind. es hat was und sieht ein wenig aus wie ein vokabelheft zu einem klassiker. 🙂

interessant ist auch. was wohl andere nicht so gaengig im sprachportmonaie haben: ironie, innig, inferno, infam? 🙂

update: aehm. die lexikalische sammlung ist nicht von bov. sondern von alex wulf.