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in der simon-dach-strasse ist das grauen zu hause

mein strasseneckchen – wie sich ostberliner kiezstrassen entwickelt haben! ist das noch die simon-dach!? 😉

In der Simon-Dach-Strasse gibt es keine Kneipen, Kaschemmen oder Pinten. Nein. Hier existieren keine Wuehlisch-, Krossener- oder Boxhagener-Ecks. Nee. Hier sind alle fuenf Meter Cocktailbars aufgestellt worden. In der Simon-Dach-Strasse ist das Grauen zu Hause. (Nette Menschen trinken gerne – Andreas Scheffler, berliner zeitung 4.11.03 )

seismograph des unberechenbaren

Buecher, das ist fuer mich nicht das bedruckte Papier. Sie sind Landkarten menschlicher Erfahrung. Fuer mich sind Buecher die Verbindung zu Autoren, zu deren Texten ich Vertrauen habe – zu Buechner-Preistraegern wie Heiner Mueller, Gottfried Benn, Durs Gruenbein, Ingeborg Bachmann, zu Proust, Joyce, Robert Musil, zu Kleist, Montaigne, Madame de La Fayette bis hin zu Ovid. Das ist wie ein zweites Gemeinwesen. In einer Zeit, in der wir nicht wissen, wie rissfest die Wirklichkeiten sind, sind Netzwerke ueber 2000 Jahre, wie sie die Buecher darstellen, kein Luxus, kein Freizeitbedarf, sondern notwendiges Ueberlebensmittel. Es ist diese Vertrauenswuerdigkeit, wegen der ich die Buecher allen anderen Medien vorziehe.

Der Seismograph des Unberechenbaren
Auszuege aus der mit Improvisationen vorgetragenen Buechner-Preis-Rede – Alexander Kluge

wir trinken auch immer mit buechner tee! sie etwa nicht? gruenbein wuerden wir allerdings niemals einladen. 🙂

amazon volltextsuche :: printfunktion eingestellt

Amazon goes off-line with search program – Charles Storch (chicago tribune, 4.11.03)

amazon.com hat seine volltextsuche modifiziert. man kann zwar immer noch jede seite von ca. 120.000 buechern nach stichworten durchsuchen. aber diese suche nicht ausdrucken. der ausdruck enthielt das entsprechende exzerpt und einige seiten rund um das exzerpt.

autorenvereinigungen sehen darin eine verletzung des copyrights von buechern und vor allem einen verminderten anreiz. das buch auch zu kaufen.

sie versuchten u.a.. ihre buecher aus den amazon listen entfernen. amazon berichtet. dass bereits fuenf tage nach dem launch der neuen volltextsuche der verkauf von buechern um 9% angestiegen ist.

KODAK :: you press the button. we do the rest

image “You Press the Button, We Do the Rest”
What digital camera makers can learn from George Eastman – John Steele Gordon

john steele gordon empfiehlt der neuen digitalen kameraindustrie einen blick auf die geschichte der populaeren photographie des 19. jahrhunderts zu werfen, insbesondere auf den „macher“ dieser photographie: george eastman.

der photographische markt um 1860 war auf den professionellen photographen und serioesen amateur zugeschnitten, fuer den taeglichen laien gab es keine moeglichkeit. photographien selbst zu entwickeln. photographie war ein komplexes, teures und anstrengendes geschaeft.

eastman und seine mitarbeiter haben bald erkannt. dass genau dort der springende punkt im photographischen geschaeft liegt: eine kamera zu bauen. die ein optimum an film. ausruestung und mechanik verbindet. um sie auch einem laien an die hand geben zu koennen. (wir ueberschlagen hier mal die komplexeren technischen zusammenhaenge und innovationen. die eastman sofort fuer sich in anspruch nehmen konnte.)

1887 brachte eastman eine neue kamera auf den markt. die schmaler und billiger war. er nannte sie KODAK (er wollte einen namen der mit K beginnt und endet. womoeglich eine legende.). er schloss damit den „einfachen“ konsumenten an die industrielle fertigung an – der konsument als „knipser“ (nach bernd busch* liefert der fotograf lediglich die „latenten bilder“ – den rohstoff, der dann erst industriell verwertet wird, er wird zum „testfall der apparatur“; die unermuedliche suche nach dem „eigenen“ bild verkommt zur sehnsucht nach dem geschaeft: „sollten Sie nicht Ihre geschichte kodak-film anvertrauen?“ (anzeige der firma kodak))

die erste KODAK enthielt einen rollfilm fuer 100 photographien. zur entwicklung sandte man kamera und film an eastman. der die fertigen photos und die kamera mit einem neu eingelegten film retournierte.

eastman musste jedoch noch die oeffentlichkeit ueberzeugen. dass photographieren nun fuer jeden einfach zu realsieren ist. er setzte einen bis heute nicht vergessenen werbeslogan dafuer ein: „you press the button, we do the rest“.

wer wird der eastman der digitalen photographie sein? who knows? 🙂

* busch, bernd: belichtet welt. eine wahrnehmungsgeschichte der fotografie. fischer 1995

… wenige links zu kodak/eastman:
the wizzard of photography – georg eastman
history of kodak
georg eastman bei about.com
you press the button… – eine webadaption

The Kodak EasyShare DX3500 digital camera resurrects George Eastman’s century-old motto, „You press the button, we do the rest.“ Snap your pictures, put the $300 DX3500 in the $80 docking station, press the only button on the docking station, and watch the photos transfer to your PC for touch-up and printing. While your camera sits in the dock, the batteries recharge automatically.
Easier to Use—But Not Easy

chick-lit :: sunny and silly

Chick lit keeps on clicking
Pity the female writer who tries to break the moul – anne kingston – national post (kanada)

sehr schoen beginnt der artikel. der pamela anderson als „pneumatic actress“ einfuehrt. die einen zwei millionen vertrag abgeschlossen hat fuer zwei noch nicht verfertigte erzaehlungen.

„sunny and silly“ – so bezeichnet anderson ihre texte. so sehen auch verleger gerne die „chick-lit“ (you know this „bridget jones’s diary thing alonge) – ein gaeniger haushaltbegriff mittlerweile. wie anne kingston so schoen spitz formuliert:

Pity the young female writer who wants to explore women’s experience with any texture, depth or complexity. A decade ago, authors such as Kathy Acker, Susan Minot and Pam Houston didn’t have to worry their work would be reduced to a generic marketing slogan that also can be a putdown. Now the market calls for simplistic narratives that are both sunny and silly, and are ripe for movie adaptation. Clearly, it’s time to kill the term chick lit, and the sooner the better.

giller preis :: von instant-seller zum bestseller

Ten years of the Giller – murray whyte (toronto star)

eine einladung zum abendessen auf der preisverleihung des „giller“ (kanada) ist die beste literarische eintrittskarte in kanada.

zum 10 jaehrigen jubilaeum des „giller“ preises wird die verleihung zur besten prime time auf cbc und ganz regulaer im „Book TV“ uebertragen: der „giller“ macht buecher einfach „sexy“. wie diane davy – praesidentin von kex porter books – schwadroniert.

ganz im gegenteil zu der studie „preise, erfolg und aesthetische qualtiaet in der kunst” (s.a. hier). die keinen nennenswerten aufstieg von preistraegern des „booker“ preises konstatiert. ist der „giller“ ein garant fuer das aufruecken in die bestsellerlisten – vom „instant-seller“ zum best-seller.

die hardcover kultur duempelte in kanada vor dem „giller“ eher ruhig vor sich hin – manche hatten schon angst. sie wuerde gaenzlich verschwinden. 10 jahre „giller“ preiskultur haben das kanadische hardcover in den mainstream katapultiert und endlich die literatur zum massenkulturellen thema gemacht. das buch ins fernsehen gebracht (oh heidenreich hoert man hierzulande immer oefter schnaufen! wie fein! ;-))

MTV :: the day the music died

ein interessanter artikel/sichweise auf die rolle von MTV…

The world is the way it is because of MTV. The world is pop. It all happened at some point in the 1960s, or the 1970s, or the 1980s. Plenty of magazines argue about when exactly this point was (these magazines are published because of MTV). But it was not until the revolution began to be televised in the early 1980s, as something called MTV, that everyone began to appreciate how much the world had gone pop.

The day the music died

juroren sind weniger als propheten

judging the booker – christopher shea – boston globe

einer juengsten studie zufolge sind juroren aesthetischer wettbewerbe – so victor ginsburgh – wenig dazu geeignet. kunst fuer die zukunft auszuwaehlen, vor allem keine „bedeutende“.

in seinem artikel „preise, erfolg und aesthetische qualtiaet in der kunst“ (journal of economic perspectives) vergleicht er die juryergebnisse u.a. des „booker“ preises und diversen filmpreisen auf ihre „dauerhaftigkeit“.

die „dauerhaftigkeit“ oder zaehlebigkeit im betrieb wird von ginsburgh daran gemessen, z.b. wieviele buecher der preistraeger abgesetzt hat, wieviele neuauflagen etc.. er geht von der nicht eben unueblichen annahme aus. literarische qualitaet laesst sich am verkauf gegenmessen.

so haben etliche der „booker“ preistraeger nur eine auflage erlebt und sind mittlerweile „out of print“. fuer den filmpreis bereich laesst sich die kurve nach oben eher festmachen; vor allem waren „akademische“ juryzusammensetzungen eher „prophetisch“ in ihren urteilen.

amazon als messinstrument

neue suchtechniken scheinen ja stets auch die spielerische ader zu reizen. amazon sucht tiefer und bietet eine volltextsuche.

schon sehen die einen endlich ihren lokalen buecherregalbestand kostenlos digitalisiert und jederzeit kopierbereit adressierbar (the best search idea since google). sehen die anderen endlich die moeglichkeit. rankings noch besser statistisch abzufedern: wer wird am haeufigsten in buechern zitiert etwa (amazon re-ranks intellectuals).

damit laesst sich quasi aus dem stand und gratis ein wohlfeiles instrument fuer intellektuelle betriebsfelder feilen. bourdieu wuerde sich die haende reiben. 🙂

chapman brueder :: don’t feed the hand you bite

die chapman brueder – dieses jahr fuer den turner preis nominiert – beissen in die hand, die sie fuettern soll (offenbar. wie der guardian so schoen formuliert. ist das vorherige kritisieren einer institution. die einen praemieren soll. ein tabubruch: „Now the Chapman brothers have broken another taboo by biting the hand that feeds them.“)

The architecture has been produced so that you get this huge concussive effect as you walk down the ramp. You feel very small in the face of the magnitude of this cathedral. It sends messages for miles: this is important, this is a sacred place, everything in here is sacred. Things that are sacred aren’t questioned, and that’s the problem.‘ (jake chapman ueber das tate museum)

jake chapman kritisiert das tate museum als ein „monument von absoluter kultureller saturiertheit“ und die saatchi galerien als „aushaengeschild einer einmannfirma“. der turner preis weise nicht in die zukunft, sondern wuerde nur den kleinsten gemeinsamen nenner (im sinne einer beherrschung des kunstbetriebes) widerspiegeln.

It’s just simply an expression of one man’s ownership. The best strategy would be to put every single piece of art that Charles Saatchi owns in, so you don’t get this sense that you are supposed to try and see one thing separate from another. I think it should be completely like a junk shop.‘ (jake chapman ueber saatchi)

die von saatchi abgelabelten „young british artists“ (vor allem damian hirst und tracy emin) seien nur ein teil des kults um beruehmtheit(en), sie benutzten kunst als „symptom ihres egos“.

saatchi hat jeden kommentar abgelehnt. ein sprecher des tate museums weicht aus: kuenstler seien fuer den turner preis nominiert worden aufgrund ihrer arbeiten, weniger fuer ihre aussagen in den medien.

Shock art turns on the Tate – guardian (via artsjournal)