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zonen der halbdiktatur

Speziell in Russland, der Ukraine und Mittelasien haben wir deshalb jetzt bravere Medien Ð trotz mehr Journalistenmuts. Wenn jemand frech wird, kann man eine Redaktion mit riesigen Mieterhoehungen erpressen. Oder die Feuerwache schicken, die ein Redaktionsgebaeude feuerpolizeilich fuer Monate schliesst. Wir nennen diese Angstmachermethoden institutionelle Zensur.

ãZonen der HalbdiktaturÒ – Freimut Duve ueber Mut, Medienzensur und den Fall Berlusconi, sueddeutsche 15.12.03

bambiland ist durchgebrannt

imagebambiland von elfriede jelinek laeuft ja nun in der inszenierung von schlingensief im burgtheater“>“ von elfriede jelinek laeuft ja nun in der inszenierung von schlingensief im burgtheater in wien. da kann man sich dann gleich wieder die rezensionen von den fingerkuppen puhlen oder die falschen rosinen aus der zeitung klauben. jedenfalls ist es natuerlich eine explosive kombination (oder spricht man. wenn man das burgtheater noch miteinrechnet. schon von triathlohn?). die die presse zuerst zu wahrnehmungs- und spaeter zur rezensionsexperimenten herausfordert (wie immer bei burgtheaterinszenierungen, besonders in dieser konstellation). nicht immer gelungen. aber interessant:

nummer eins in der wahrnehmungsskala motto „auch gelungen und uninteresant“:

Mutti, darf ich wieder schauen? – Ja, jetzt ist die Buehne zu. Jetzt kannst du die Schriften lesen wie am Schluss im Kino: Elfriede Jelinek, Bambiland, Urauffuehrung, Vorauffuehrung, zweiter attaistischer Abend. – Mutti, was heisst atta-istisch? – Atta, atta: Hab ich schon gehoert. So was wie alternativer Abend. Sie haben heute nicht das Bambiland gespielt, sondern was anderes, was Alternatives. Vielleicht ist der Heinz Zuber erkrankt, der immer so schoen die Tiere spielt im Burgtheater. Weil du so brav warst, gehen wir jetzt noch ins Schnitzelland und du bekommst dort ein wirkliches Schnitzel. – Gehen wir einmal ins richtige Bambiland? – Freilich, aber nie mehr ins Burgtheater, sondern zum Doktor Pechlaner.

Bambiland, ein Serien-Missverstaendnis – hans haider, die presse 15.12.03

Weiterlesen „bambiland ist durchgebrannt“

refers :: freizuegig

bevor wir uns jetzt in die problematik vertiefen muessen. kann uns gerade jemand einen hinweis geben. wo wir nachschlagen. wenn unsere refers von „freizuegigen“ (web-)logs (wir wuerden das auch nicht unbedingt weblogs nennen) haeufig frequentiert werden. 🙁 wir haben da ja noch was in erinnerung. aber grade ist es nicht mehr greifbar. sehr lieb! vielen dank! 🙂

das leben ist jetzt :: chinas gegenwartsliteratur

Der alte Wan kann einfach nicht verstehen, was mit seinem Sohn los ist. Den serioesen Beruf, die Oelmalerei, hat er einfach aufgegeben. Und auch sonst unternimmt er in letzter Zeit nichts, worauf man als Vater stolz sein koennte: Mal druckt er sich aufs T-Shirt die Worte „Ich bin zu vermieten. Preis nach Absprache“ und spaziert damit durch die ganze Stadt; mal laesst er sich in einem Glaskasten voellig von Insekten zerstechen, „um eine praktische Erfahrung von der eigenen Existenz zu machen“, wie er dann meint. „Aktionskunst, Aktionskunst- die reine Kunst von Bekloppten“, findet der Vater und beschliesst also eines herrlichen Nachmittags, sich aufs Dach des eigenen Hauses zu setzen und solange nicht von der Stelle zu ruehren, bis der Sohn Vernunft annimmt.

grosse schatzkammer – ueber die chinesische gegenwartsliteratur, TAZ 13.12.03

das besprochene buch dazu:
Frank Meinshausen (Hg., Uebersetzer): „Das Leben ist jetzt. Neue Erzaehlungen aus China“, Suhrkamp Verlag, Frankfurt 2003, 260 Seiten

weitere rezensionen:
deutschlandfunk
carpe librum
leselust
– spiegel

der letzte kanal – italo calvino

Dass ich nirgendwo halt mache, um mir eine Sendung anzusehen, liegt daran, dass die Sendung, die ich suche, eine andere ist, eine, von der ich weiss, dass es sie gibt, und bei der ich sicher bin, dass es keine von diesen ist, diese senden sie nur, um Leute wie mich zu taeuschen und zu entmutigen, Leute, die ueberzeugt sind, dass es immer die andere Sendung ist, auf die es ankommt.

der letzte kanal – italo calvino, sueddeutsche 13.12.03

polarbaeren und ihre routen

image der wwf macht online ja sachen! verfolgen Sie die eisbaeren lena und yana auf ihren arbeits- und lebenswegen durch das eis.

Research around Svalbard has shown that polar bears within the same population can have very different survival strategies. Some bears wander over large areas across the Barents Sea hunting from the sea ice year round, whereas other bears might spend their whole life in just one of the fjords around Spitsbergen.

im tracking archiv kann man dann ihre spur monatlich verfolgen (pro tag). wir ueberlegen ja noch. ob wir einen polarbaer adoptieren. leider ist auf der webseite nicht vermerkt. ob der geldbetrag monatlich oder einmalig zu zahlen ist. 🙂

NEO DADA

mailart ist nicht immer von der exakten groesse einer postkarte :: aber in diesem mail art call ist das genau das format. in das „neodada“ gepasst werden soll: NEO DADA ist zwar „nur“ eine online-austellung aller eingetroffenen mail art artefakte. aber A: ist die seite selbst sehr sehenswert, B: sind die neodadaistischen postkarten auch auf beiden seiten interessant und C: ist das weiterblaettern in richtung „anything about lenin“ – ein weiteres mail art projekt – nicht zu uebersehen. 🙂

und wer sich von mail art angezogen fuehlt. findet in der linkliste das fluxusbetonte nicht ungewohnte mail art arsenal! (via – na erraten! – fluxus-mail)

ohne brecht nehm ich keine kamera in die hand :: ruth berlau

es ging nicht mit brecht und auch nicht ohne (sehr schoen wurde das ja blusig dramatisiert im tv vor ner weile – fragen Sie jetzt bloss nicht. wie der film hiess… ;-)). wir sind ja ein grosser lieberhaber der texte von fleisser (besonders empfehlenswert: Abenteuer aus dem Englischen Garten). ihre nicht nur finanzielle abhaengigkeit von brecht bestand vor allem in verlegerischer hinsicht. brecht war ein verlegerischer multiplikator, an ihm liefen fast alle faeden zusammen, er hatte die verbindungen zu theater, zeitschriften und verlagen.

auch ruth berlau blieb lange unentdeckt. wie es so schoen in der heutigen sueddeutschen heisst: sie nahm ohne brecht keine kamera in die hand. in was man sieht, wenn man genau hinsieht berichet sabine kebir ueber den fotoband „Ruth Berlau Ð Fotografin an Brechts Seite„.

… ein rezension zum buch von der nzz

und mit einem peinlichen zitat. das „erfolg“ und „talent“ an brecht und moeglichen anderen externen faktoren zu messen glaubt. und berlau wieder dorthin verweist. wo sie ohnehin nie wirklich rauskommt: hinter oder unter brecht. 😉

Die vielseitige Berliner Kuenstlerin war eigentlich eine stilistisch unauffaellige und nur maessig talentierte Fotografin. Warum also macht sich ein Verlag die Muehe, ihre Fotos nun zu veroeffentlichen? Weil Ruth Berlau die Geliebte von Bertolt Brecht war.

stefan duefel, rundfunk berlin-brandenburg

writingfailure.com

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das nennen wir mal transparenz!
writingfailure.com macht’s moeglich.
alle zu- und absagen werden schoen saeuberlich erfasst. 🙂

dazu empfehlen wir den eingaengigen text zur doppel- oder vielfach beschickung von verlagen und/oder zeitschriften. damit ist sowohl ein oder mehrfachverlag und/oder zeitschrift gemeint. 😉

The truth is many editorial departments are taking an average of 6-12 months to respond to submissions. Writers have no choice but to send simultaneous submissions, otherwise we’d die of old age before we’d see our books published.

bernhard bonmottieren leicht gemacht

thomas bernhard ist ja in oesterreich nicht nur in sachen literatur bezugsgroesse nummer eins. auch was den bonmot betrifft (das zitat als germanisten stammtisch oder wenn sie mir einen sagen. dann kann ich nachzitieren!). ein solches bernhard-bonmottieren liefert sich die presse im interview mit dem herausgeber der bernhard gesamtausgabe wendelin schmidt-dengler (im uebrigen auch einer der zentralen fuer den germanistischen kanon in oesterreich.):

Wendelin Schmidt-Dengler, Sie sind Mitherausgeber der ersten Tho mas-Bernhard-Werkausgabe. 22 Baende sind geplant, die ersten drei jetzt herausgekommen, jeder Band mit einem ausfuehrlichen Kommentar zur Entstehungs-, Ueberlieferungs-, Rezeptionsgeschichte. Mit einem Wort: die grosse Stunde der „germanistischen Maulaffen“? Das ist uebrigens ein Bernhard-Zitat, nichts fuer ungut.

Richtig, aus „Alte Meister“, 1985. Und ehe ich’s vergesse, auch ich habe fuer unser Gespraech ein schoenes Bernhard-Zitat vorbereitet: „Einmal haette ich in die Redaktion der ,Presse‘ eintreten koennen, aber mein doch recht guter Instinkt bewahrte mich vor einer solchen Perversitaet.“ Aus „Beton“, 1982, Seite 168f., nichts fuer ungut. So hat doch jeder seinen eigenen Bernhard.

A Doda? (die presse, 6.12. 03)