Die Kultur des 18. Jahrhunderts war franzoesisch. In ganz Europa orientierten sich die Fuersten an der Hofhaltung Ludwig XIV. und seiner Nachfolger. Sie imitierten die Architektur von Versailles und die Pariser Stukkaturen, importierten Gobelins aus Beauvais und spielten franzoesische Opern. Deutschland hat in dieser Epoche kein Malergenie hervor gebracht, die schoensten zeitgenoessischen Bilder in den Schloessern stammten vom Venezianer Tiepolo oder von Parisern wie Watteau, Boucher und Lancret.
Um die einheimische Kunst auf den Stand des franzoesischen Geschmacks zu bringen, dessen Vorherrschaft sich durchaus mit der heutigen Dominanz des Hollywood-Kinos vergleichen laesst, verpflichteten viele europaeische Herrscher Franzosen als Hofkuenstler.
Ein Pariser in Berlin – Sebastian Preuss, berliner zeitung 06.01.04
Beiträge
walk don’t walk :: new yorker ampelsignale
new york wird eine spur ikonographischer: derzeit werden die alten ampelsignale „walk don’t walk“ gegen entsprechende icons ausgetauscht.
It is a startling yet stealthy change in the cityscape. Those signs were iconic, even if nobody but the Peck & Peck copywriters ever thought much about them. They were in a million photographs, all kinds of movies, and everyone’s memories. They seemed stern yet familiar, and I suspect that for children growing up in New York, they provided the opportunity for the first significant act of civil disobedience. Crossing against a red light was not the same as ignoring the sign–one was merely a light, but „Don’t Walk“ was a command.
The replacement signs have no words. There will be 85,000 of them when the city finishes the installation in midwinter. The new signs use pictographs: graphic symbols for walking (a striding figure in profile) and for stopping (a hand palm-forward, as a policeman’s hand might direct traffic). The figure is white, as the word Walk was; the blunt hand, of course, is red.
Walk Don’t Walk – paul goldberger, metropolis magazine 01/2004
stand by your guns :: turbulence.org
stand by your guns :: wir moegen ja gerne etwas „angeschraegte“ flashprojekte. vor allem wenn das auch die optik miteinschliesst. mit dem motto „happiness ist a gun“ ist die sektion „TV“ abzufeuern – eine collage als feuerwaffe, das spiel mit der waffe in x-varianten (als memory oder als labyrinth) kann eine dann schon vom eigentlichen thema ablenken. aber: internet is a girl and a gun (um mal einen alten haudegenspruch aus einem film von godard zu paraphrasieren – na wie hiess der film?! :-)).
vielleicht sollte man dann als audiostream zeitgleich lewis la cooks surfing (mp3) laufen lassen. 🙂
via rhizome
vorschau :: projektemacher
hier schon mal den vorschaulink auf ein sicherlich ganz wunderbares buch: projektemacher – markus krajewski (Hg.) (kadmos, aber mai 2004)
Der Projektemacher ist eine seltsame Figur, die zum Beginn des 18. Jahrhunderts, am Anfang der Moderne auftaucht. Meyers Grosses KonversationsLexikon von 1908 charakterisiert ihn als jemanden, >>der sich im Entwerfen neuer, meist unausfuehrbarer Plaene gefaellt.>Windmacher
in der literatur findet man u.a. in gullivers reisen interessante projektemacher:
… die diversen projektemacher in der grossen akademie von lagado in gullivers reisen
notizzettel :: archiv & avantgarde
… Die Ablagekur, oder: ‚Wo Es war, soll Archiv werden‘: Die historische Avantgarde im Zeitalter des Bueros – sven spieker, Trajekte 5 (2002), pp. 23-28 (pdf)
… Off/On. Die Information der Avantgarde
Sven Spieker (Santa Barbara/Berlin) erlaeuterte unter dem Titel „Off/On. Die Information der Avantgarde“ Kommunikationsmodelle russischer Kuenstler und Schriftsteller nach der Oktoberrevolution. Als „Kunstingenieure“ haetten sie Elemente der modernen Informationstheorie insofern vorweggenommen, als sich ihre Modelle der (politischen) Kommunikation mit dem Problem von Kodierung/Dekodierung und nicht mit Fragen der Semantik befasst haetten. Diese Theorie gehe davon aus, dass die „semantische Botschaft“ irrelevant sei fuer die technische Uebermittlung. Dementsprechend sei die Astethik dieser Avantgarde eine Aesthetik der Information und Funktion und nicht etwa eine der Erzaehlung oder des narrativen Ablaufs gewesen. Verschiedene Tagungsteilnehmer stellten jedoch nach dem Vortrag den Reduktionismus des informationstheoretischen Modells ebenso in Frage wie die radikale Trennung von Semantik und Information.
die kultur der sekretaere ::
europa als eine kultur der sekretaere (also wir meinen hier nicht: das moebel!) ist auch eine jener mediengeschichtlichen leerstellen. die nun in Bernhard Siegert/Joseph Vogl (Hg.): Europa. Kultur der Sekretaere gefuellt werden will. der schluessel einer europaeischen identitaet sei durchaus im netzwerk von sekretaeren zu finden:
Der Staat vollendet seine Selbstorganisation erst von dem Augenblick an, da er seine Untertanen selbst zu Sekretaeren machen kann. (kultur der sekretaere)
im inhalt findet sich ein „ritt“ durch die jahrhunderte: von der verwaltung des geheimen, ueber die macht der sekretaere, was sekretaere lesen, bis zu mechanischen sekretaeren und ihren digitalen pendants.
via (mit dank!) erratika (mit dem zarten hinweis. dass kittler zu lesen. nicht „abtoernt“. dass seine frueheren vorlesungen und texte sich nur eben naeher an der mediengeschichtlichen „materie“ abgearbeitet haben und er heute immer naeher an weibel rueckt. sich zusagen an digitaler „materie“ abarbeitet. was durchaus schwerer ist und mitunter verquast.)
weiterfuehrende links:
… Vorhoefe der Macht – rudolf maresch (telepolis, 2000) – ein aufsatz in sachen schaltstelle der kommunikation – aufgezogen an carl schmitt
… zum ruhme barthlebys – eine tagung ueber medien und sekretaere in weimar (pdf – 2001, paper von nils roeller)
… ein kapitel aus dem buch: Goethes Bibliotheksoekonomie . In: Europa. Kultur der Sekretaere. Hrsg. von Bernhard Siegert u. Joseph Vogl. Zuerich [u.a.“>: diaphanes, 2003, S. 111-123. (pdf)
… gloria meynens text zur geschichte buero(kratischer) strukturen: buerokrieg
… eine vorschau auf das buch Packratten und Buerokraten: Studien im Archiv. Berlin: Kadmos Verlag, 2003
der kulturkuckuck :: wider den flachmann ;-)
sloterdijk hat wieder mal kraeftig in die banale schublade geschlagen. wenn man sich selbst und seine sendung „das philosophische quartett“ als „kulturkuckuck“ bezeichnet. dann muss ja mal wieder das abendland der schrift eine klassenspezifische aufwertung erfahren. ist muendlichkeit per se flach? irgendwie ritterlich, nicht wahr? 😉 (standesgemaess, wa!)
Die hoehere Kultur ist per se literarischer. Das heisst, sie bleibt mehr Schriftkultur. Syntaktische Komplexitaet gedeiht nur in der Schriftlichkeit, diese sich selbst ueberlassene Muendlichkeit erzeugt einen Popularstil, der am Ende eine gewaltige Abflachung der Kultur bewirkt.
Der Kulturkuckuck – peter sloterdijk im gespraech, berliner zeitung 30.12.03 (via erratika)
eine volkskuenstlerin! :: k. rutschky meint das
sicherlich war die baroness in ihrer zeit keine „unbekannte“. dazu wusste sie sich expressiv einzubringen in der partiellen oeffentlichkeit. die einer kuensterlin in avantgarde-kreisen zur verfuegung stand. dennoch von einer wirklichen „bekanntheit“ zu sprechen. ist uebertrieben und der „schraegen“ rolle und funktion der baroness in ihrer zeit auch unangemessen. von ein paar veroeffentlichungen ihrer texte in zeitschriften abgesehen, bleiben vor allem ihre „inszenatorischen“, leibhaftigen kunst/leben aktionen im vordergrund.
wenn katharina rutschky in ihrer rezension unbeeintraechtigt von geistiger gesundheit (frankfurter rundschau) zu grammels biographie wiederum auf den „verrueckten“ geisteszustand der baroness abhebt und mangel an geist und werk der baroness dann negativ kurzschliesst. dann sind wir wieder dort. wo die rezeption von kuensterlinnen in der avantgarde immer stehenbleibt: entweder waren sie sexuell „abartig“ oder geistig zurueckgeblieben. Weiterlesen „eine volkskuenstlerin! :: k. rutschky meint das“
der ausstieg aus dem bild :: boris groys
wir hoeren gerade den vortrag „der ausstieg aus dem bild“ (real audio) von boris groys im rahmen der mediathek wissenskuenste II – die bilder jenseits der bilder.
Sind bereits die multiplikatorischen Praktiken, die mit den Avantgarden des fruehen 20. Jahrhunderts einsetzten und seither die Kunst begleiten, mit einem kanonisierten Bildbegriff nicht umfassend zu erlaeutern, betrifft dies umso mehr Praesentationsformen, die mit digitalen Medien arbeiten. Sie operieren zum einen mit der Medienkonkurrenz von Wort und Bild, Textualitaet und Visualitaet ueberhaupt. Zum anderen dienen diese Darstellungsweisen ebenso den wissenschaftlichen Praesentationen, die auf multimediale Visualisierungen zurueckgreifen. Diskutiert wird in dieser ersten Veranstaltung also die grundlegende Frage, wie ein Bildbegriff, der sowohl ueber den klassischen Bildbegriff hinausgeht als auch von Kuensten und Sciences gleichermassen eingesetzt wird, beschrieben werden kann.
aus der detailseite
portrait 01 :: die futuristin
die suche nach den frauen im futurismus ist noch auszudehnen: elisabeth schimana unternimmt in portrait 01: die futuristin (kunstradio) eine nicht nur historische suche nach den feministischen positionen in der elektronischen musik und in der medienkunst. ausgang der suche: das manifest der futuristischen frau von valentine de saint-point.
links:
– die sendung im mp3 stream (v. 14.12.03)
– positionierung zum projekt
– homepage von elisabeth schimana
– das manifest der futuristischen frau von valentine de saint-point (das manifest in english – pdf)
– das manifest futurist manifesto of lust von valentine de saint point (1913)
– kurze bio zu valentine de saint point
– rezension des buches Women Artists of Italian Futurism: Almost Lost to History.
– „Die beruehmteste Schlaegerei hatte Cravan jedoch nicht auf einer eigenen Konferenz, sondern nach einem Vortrag von Valentine de Saint Point ueber „Die futuristische Frau“ 1912, als ein aufgebrachtes Publikum die Buehne erstuermt und Cravan, der zwar die Futuristen nicht wirklich mochte, dem aber Vortrag und Vortragende gefallen hatten, diese um sich boxend verteidigte.“ (Arthur Cravan Ñ Die Niedertracht der Tafelrunde)