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Kategorie: Lektüren

oesterreichische literatur :: soll oesterreichischer sein

oh weh – oesterreichische literatur soll auch noch oesterreichisch sein. was halt von einem stifter oder grillparzer wohl so erwartetw wird?! wir haben buechner oder kleist eigentlich nie auf das deutsche hin gelesen?!

Als ich neulich zwei kanonische Texte der so genannten österreichischen Literatur wieder las, war ich erstaunt. Erstaunt, wie wenig ich darin über ein österreichisches Wesen, österreichisches Geschichtsbewusstsein, habsburgische Mythen fand.

bewegliche identitäten – leopold federmaier (standard, 27.05.05)

der literaturpreis :: wie grottig

zauberhaft – jetzt werden literaturpreise schon im fantasy-ambiente verliehen:

Der Preis wird bei dem von 7. bis 11. September stattfindenden internationale Schriftstellertreffen im Karstdorf Lipica (Lipizza) überreicht, und zwar wird in der Grotte „Vilenica“ (auch „Feengrotte“ genannt).

feengrotte preis an karl-markus gauss (standard, 01.06.05)

der kuenstler :: paul

meine guete – warum heissen grazer protagonisten immer noch paul?

Sein Freund Paul ist Künstler und träumt von Revolution, den größten Freiheitskampf führt er gegen seine Kontaktlinsen.

n. – clarissa stadler (droschl)

der literarische :: reiher

sie kennen das noch von der schulbank. da muss man taeglich einen aufsatz schreiben. mit so und soviel seiten oder gar einer bestimmten festgelegten wortzahl. und schon beginnt man die saetze auszupolstern. mit dem attributfaedeln und dem beruechtigten bilderschachteln. eben ein serielles babuschkaphaenomen. das wir dann mit verve und ausfeilen entschuldigen.

aehnlich wirkt thomas meinekes „netznotizen„. wenn von einem event oder einer tageszeitungsnotiz berichtet wird. dann haeufen sich die saetze zu einem richtig grossen literarischen ameisenhuegel. da wuenschte man ihm manchmal einfach ein bisschen freiraum zwischen diesen blockansaetzen seines literarischen reihers.

aber man koennte sagen. schliesslich muss der auftrag des literaturbueros erfuellt werden. und wenn der stipendiat auch noch von zuhause diese aufgabe erfuellen darf (das beruechtigte. stipendium frei haus – am schoensten klingeln jene autorinnen. die bei stipendienannahme stets jammern. dass sie von zuhause wegmuessen!). dann kann er sich gluecklich schaetzen und kann schon mal etwas ueppig ins notizen terraing hauen.

und dirk schroeder kommentiert gut. auf die frage. warum telepolis werbung fuer einen mittelmaessigen blog mache (was gar keiner ist. wie wir behaupten):

Wenn einer bloggt, den man nicht kennt, kann er sich dadurch, dass er’s gut macht oder spannend oder sonst was, „einen Namen machen.“ Wenn man einen schon kennt, er „einen Namen hat“, dann wird über alles berichtet, was er tut. Pflanzte der, den man schon kennt, eine Rose, berichtet die Gartenpraxis, stellt er etwas auf einen Webserver, berichtet Telepolis.

und wir bewegen uns doch :: robert foltin

die zeitschrift grundrisse bietet nun an. das buch „und wir bewegen uns doch. soziale bewegungen in oesterreich“ von robert foltin als pdf down zu loaden.

Immer wieder wird – je nach Standpunkt – beklagt oder festgestellt, dass linke Bewegungen in Österreich nie ein größeres Ausmaß erreicht hätten. Trotzdem veränderte sich die institutionelle Struktur wie auch die Sichtweise und Lebensverhältnisse der Bevölkerung auch durch soziale Kämpfe. Internationale Einflüsse waren zwar wichtig, aber es gab auch hier mehr oder minder starke Aktivitäten. Diese Bewegungen, von den Revolten des Lebensstils der 1960er über die Besetzung der Wiener Arena, den Widerstand gegen das AKW Zwentendorf und das Wasserkraftwerk Hainburg, die Proteste gegen die Wahl Kurt Waldheims zum Bundespräsidenten bis hin zu den Studierendenstreiks 1987 und 1996 und vieles mehr werden von Robert Foltin nachgezeichnet.

aus dem klappentext „und wir bewegen uns doch“ von robert foltin (edition grundrisse, 2004)

monopol :: wer regiert die kunstwelt

monopol kanns. moechte man sagen. eine ganz bestimmte halbfertige ironie zu lancieren. wir kaufen aber keine zeitschriften. die sich um headlines wie „warum die neomoderne nebenbei mit mantafahrern flirtet“ bemueht. wirkt eben habgar und halbdurch. wers mag. moechte man wieder sagen.

der aufmacher artikel „wer regiert die kunstwelt“ setzt dann nur wieder eine bestenliste an. wie eine aufgewaermte betriebsbowle. mit dem schmalen kick. dass gerade die monopol-bestenliste DIE insiderliste sein moechte:

Natürlich ist diese Liste ungerecht. Natürlich ist sie auch subjektiv. Es ist auch keine Liste der Lieblinge des Kunstbetriebs, sondern derer, die die Fäden ziehen. Es ist also eine Liste bereits existierender oder sich langsam herauskristallisierender zukünftiger Bedeutung.

btw: nicht unschick – die moeglichkeit. das aktuelle heft online durchzublaettern.

sehr alte :: bekannte

in den weiten des netzes findet man mitunter sehr alte bekannte wieder. tauchen auf wie verlegte uhren:

Daß die Dominatoren des Literaturbetriebs das Vergessen ereilt, ist in den meisten Fällen verdient. Sie haben sich in die Literaturhäuser geschlichen, den Platz besetzt und von innen zugeriegelt, sich gegenseitig in der schamlosesten Weise lokale Preise und Stipendien zugeschanzt. Es erstaunt, wie ein Gebiet, daß das allerfreieste sein sollte, Kriecherei und Anschleimen kennt. Es ist ein Politikum, wer wann welche Räume besetzt.

gegenpraegungenpeter hodina (aurora magazin)

der posthume :: preissegen

na – da laesst sich ja auf der schippe noch feiern. aber wahrscheinlich steht die kling stiftung schon hinter der schippe?! oder wer soll hier noch nachfeiern:

Thomas Kling erhält posthum den mit 15.000 Euro dotierten Literaturpreis der Stadtsparkasse Düsseldorf.


thomas kling posthum mit literaturpreis ausgezeichnet
(standard, 31.05.05)

posthum bepreist wurden u.a.
… winfried g. sebald (1944-2001) – bremer literaturpreiss (2002)
… elisabeth langgaesser (1899-1950) – buechner preis (1950)
… nicolas born (1937-1979) – peter-huchel-preis (2005)
… peter weiss (1916-1982) – buechner preis (1982)
… theodor kramer (1897-1958) – literaturpreis der stadt wien (1958)
… erik axel karlfeldt (1864-1931) – literaturnobelpreis (1931)
… rolf dieter brinkmann (1940-1975) – petrarca preis (1975)
… einar schleef (1944-2001) – else-lasker-schueler stueckepreis (2001)