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japanisches fernsehen laboriert am geschmacklichen zahnhals

japans unterhaltungsfernsehen ist eben immer einen zahnhals voraus:

In solchen Shows werden Frauen herumgeworfen, bis die Kamera dem Publikum einen Blick unter den Rock erlaubt; Maenner lassen die Hosen herunter. Und der unbestrittene Star dieser Unterhaltungssparte, Beat Takeshi, schnallt sich schon mal ein Phallus-Symbol vor den Hosenlatz. Angeschlagene Geschaeftsleute werden nachts auf dem Bahnhof abgepasst und mit seltsamen Spielfragen konfrontiert. Die Japaner scheinen es lustig zu finden Ð das suggerieren jedenfalls die Einschaltquoten. Nur die Reality-Show Nippons Toechter saufen um die Wette musste abgesetzt werden, nachdem die Damen mit Alkoholvergiftungen ins Hospital gebracht wurden.

Japan: Phallisch – henrik bork, sueddeutsche 15.01.04

die schluesselkinder der kunst

die berliner morgenpost beginnt – ganz passend zu den „mageren zeiten“ – mit einer serie ueber die auslaeufer des popdaseins – oder ueber das handwerk als pflichtgegenstand, ueber schluesselkinder und schluesselkompetenzen in der kunst:

In mageren Zeiten dominieren Leistungswillige und Pflegeleichte, die zurueckblicken auf eine straffe Kindheit der Gesangsstunden und Tanzkurse. Die es gewohnt sind, zweifelhaften Produzenten oder militanten Lehrern zu gehorchen. Die, wenn keine Lehrstellen und sicheren Jobs in Aussicht stehen, immer noch gut ausgebildet Popstar werden koennen. Effektivitaet und Pragmatismus.

Immer artig sein – michael pilz, berliner morgenpost 15.01.01

den tag verkehrt rum ::

so haben wir uns aber noch nie im urlaub entspannt – auch nicht nach 2 wochen. sehr schoene passage in sachen die zivilisatorischen dinge haben immer auch was mit festen strukturen zu tun:

In the last few days I have started doing really really stupid things, including: leaving my rucksack halfway around Ikea, leaving the oven on all night, getting on the Jubilee Line going the wrong way (and not noticing for several stops), and today I put my pants on backwards, and didn’t notice until it became urgently apparent.

anti-mega – relax

das museum als reibungsflaeche

das ist ja ein „netter“ zug der kuenstler „jenseits des kunstmarktes“ (was da auch immer damit gemeint sein moechte) – das museum als irgendwie dann doch noch kunstbetrieblicher kratzbaum:

Auch Kuenstler jenseits des Kunstmarktes sind an einem musealen Ort als Reibungsflaeche interessiert. Die meisten Biennale-Teilnehmer wollten in den Martin-Gropius-Bau. Sie moechten austesten, wie man so einen repraesentativen historischen Ort bespielt. Sie finden aber auch die Nachbarschaft zur Topographie des Terrors, diesem politischen Erinnerungsort, wichtig.

Die De-Modernisierung ist in vollem Gange – gespraech mit ute meta bauer, kuratorin der berlin biennale

montags in der sonne ::

montags in der sonne – ein film. den wir abendfreizeittechnisch und soziologie-technisch anvisieren. mehr dazu :: nach dem film. 🙂

Los lunes al sol ist der Film, fuer den wir bisher am meisten recherchiert haben. Insgesamt hat die Recherche zwei Jahre gedauert. Viele Ereignisse, Informationen und Situationen aus dieser Zeit sind in die Geschichten des Films und die Dialoge eingeflossen. Wir haben viele Interviews mit Arbeitslosen in Madrid und Nordspanien gemacht, mit Psychologen, Soziologen und Leuten von der Arbeitslosenhilfe. Die ersten Aufnahmen fuer den Film sind in Gij—n entstanden, waehrend der Proteste gegen die Entlassung von Werftarbeitern. Die Arbeiter erlaubten uns, an ihren Versammlungen und Diskussionen teilzunehmen. Wir haben viel mit ihnen geredet, aber vor allem haben wir ihnen zugehoert, um zu verstehen, wie sie ihr Leben und ihre Situation sehen.

aus einem interview mit dem regisseur Fernando Le—n de Aranoa

das zeitalter des unternehmer-konsumenten

Fuer Gesellschaftsforscher Robert Rochefort sind Schlussverkaeufe ein „neues soziales Ritual“: 70 Prozent der Franzosen decken ihren Bedarf ganz oder teilweise beim Raeumungsverkauf. Ein Drittel der Franzosen soll sogar die Weihnachtseinkaeufe verschoben haben, um Rabatte zu bekommen.

Champagner, Bueffet und Kaufhysterie – r. smonig, die presse 13.01.04

mehr zum zeitalter des unternehmer-konsumenten – ein interview mit robert rochefort (Centre de recherche pour l’Žtude et l’observation des conditions de vie)

Wir kommen gerade in das Zeitalter des Unternehmer-Konsumenten, der von den neuen Technologien vereinnahmt wird. Dieser Aera liegt die soziologische Logik der Rueckkehr zu einem nuetzlichen Verbraucherverhalten zugrunde. Letzteres beruht sowohl auf dem professionellen Nutzen der Produkte – Mobiltelefone, Computer, Internet… – als auch auf der Sozialisierung durch den Konsum. Der Konsum erlaubt es, mit anderen in Kontakt zu treten, sich eine gemeinsame Identitaet zu schaffen. Neu ist hier die steigende Tendenz zur Bildung von Gemeinschaften, die Tendenz zur gemeinschaftlichen Sozialisierung.

das Proletariat der Intellektuellen :: negri und sofri

In den Siebzigerjahren habe ich ein Buch mit dem Titel „33 Lektionen ueber Lenin“ verfasst: darin habe ich untersucht, wie Lenin die Bewegung der Klassen und des Klassenkampfs entsprechend ihrer Veraenderung in der Zeit darstellt. Gerade diese Veraenderung ist es, worauf es heute ankommt! Dazu muss die urspruengliche Analyse Lenins modifiziert werden. Das Proletariat setzt sich heute anders zusammen als zu seiner Zeit: es ist kein Proletariat der Fabrikarbeiter mehr, sondern ein Proletariat der Intellektuellen, das keine revolutionaere Avantgarde mehr braucht, weil es die Situation selber analysieren kann. Und es gibt keine souveraenen Nationalstaaten mehr und also auch den Imperialismus der Nationalstaaten nicht.

aus einem interview mit toni negri Fortschrittlich ist nur die Vielheit, berliner zeitung 13.01.04

adriano sofri sitzt ja immer noch mit – nach aussage von toni negri – 25.000 weiteren politischen mitgefangenen in italienischen gefaegnissen.

Nein, aber es gibt nur dieses eine, weisse, schreckliche Neonlicht. Um es an- oder auszuschalten, bedarf es allerdings einer komplizierten Aktion, da sich der Schalter im Flur befindet. Ich bin ein Meister darin, mit dem Besenstiel blindlings durch die Tuerluke hindurch zu stochern und damit den Schalter zu treffen. Tragischerweise schaemen sich die Haeftlinge dieser erniedrigenden Handlungen, statt zu begreifen, dass dies auf die dafuer Verantwortlichen zurueckfaellt. Mein einziges Anliegen hier ist, dies alles sichtbar zu machen. Die Strafvollzugsvorschriften besagen eigentlich, dass der Schalter sich innerhalb der Zelle befinden muss. Trotzdem geschieht nichts. Genauso stuende jedem Haeftling eine Leselampe zu, die einem nicht das Augenlicht ruiniert.

adriano sofri im gespraech Meine schoenen Traeume, berliner zeitung 10.5. 2003