Wie lässig Pistazien sammeln … schon wieder eine Lyrikrezension

Das Feuilleton mittlerweile mit den dafür notwendigen Scheuklappen zu lesen, geht. Aber Lyrikrezensionen lösen bei mir immer gleich eine waghalsige Scheu aus, überhaupt den ersten Absatz anzustarren. Und schon ist es wieder passiert:

«Frenetische Stille» heisst sein jüngster Gedichtband, und natürlich denkt man bei diesem Titel sofort an den «Rasenden Stillstand» von Paul Virilio.

Quelle: Virtuose Aufbrüche (NZZ, 19.06.10)

Wieder ein Buzzlesteinchen, das meiner Argumentation in der letzten perspektive Kolumne recht gibt, dass das Feuilleton nicht mehr recht weiss, was es liest – und einen Virilio, wenn überhaupt je gelesen, nicht verstanden hat:

die ganze hegeman(n)ie ist im grunde ein ergebnis intellektueller legasthenie. könnte man hochbuchstabieren. schon vor ein paar jahren wurde festgestellt. dass nur noch wenige studenten einen komplexen und abstrakten text wirklich durchdringen. mittlerweile hat das wohl eher den status der intellektuellen bouffonnerie erreicht. keiner der protagonisten im literaturbetrieb durchdringt noch wirklich die debatte. sieht man sich die leseproben von helene hegemanns axolotl roadkill an. erkennt man sofort. dass die junge literatur zwar sehr belesen – diese praktische theorievernutzung findet sich etwa auch in der jungen lyrik -, aber oft nicht wirklich den kontext dazu verstanden hat. wäre ja auch sekundär. schließlich ist alles auch irgendwie material. problematisch wird es. wenn erst lektoren. dann literaturkritiker und letztlich die jury des preises der leipziger buchmesse es auch nicht verstehen und sich daraus dann eine fassade diplomatique entwickelt oder eine literarische staatsaffäre. die an metaphorischer drastik einiges zu bieten hat.

Quelle: Sylvia Egger: aus den plappiaten. oder warum eine hegemannisierung auch keinen unterschied mehr macht. AXIT – die betriebskantine VII: in perspektive Nr. 64 2010

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