eine volkskuenstlerin! :: k. rutschky meint das

sicherlich war die baroness in ihrer zeit keine „unbekannte“. dazu wusste sie sich expressiv einzubringen in der partiellen oeffentlichkeit. die einer kuensterlin in avantgarde-kreisen zur verfuegung stand. dennoch von einer wirklichen „bekanntheit“ zu sprechen. ist uebertrieben und der „schraegen“ rolle und funktion der baroness in ihrer zeit auch unangemessen. von ein paar veroeffentlichungen ihrer texte in zeitschriften abgesehen, bleiben vor allem ihre „inszenatorischen“, leibhaftigen kunst/leben aktionen im vordergrund.

wenn katharina rutschky in ihrer rezension unbeeintraechtigt von geistiger gesundheit (frankfurter rundschau) zu grammels biographie wiederum auf den „verrueckten“ geisteszustand der baroness abhebt und mangel an geist und werk der baroness dann negativ kurzschliesst. dann sind wir wieder dort. wo die rezeption von kuensterlinnen in der avantgarde immer stehenbleibt: entweder waren sie sexuell „abartig“ oder geistig zurueckgeblieben.

rutschky beginnt mit einem rundumschlag. der jegliche rolle der baroness als „verrueckte buergerstochter“, die einfach mal sich irgendwie ausdruecken wollte, in den avantgarde-bewegungen in frage stellt:
„Hat Elsa Ploetz im Kreis der Muenchner Kosmiker, ja sogar des George-Kreises als Modell und Hetaere eine Rolle gespielt? Oder hat sie spaeter in New York tatsaechlich die Performance erfunden und darueber hinaus dem maennlichen Maschinendada von Duchamp und Man Ray mit ihren Kostuemierungen und Koerperbemalungen eine weibliche Variante an die Seite gestellt?“meisthin – wie sich sehr schoen aus den „herstories“ von avantgarde-kuensterlinnen“ deduzieren laesst – war ihnen nicht mehr als die rolle eines „modells“ oder einer „hetaere“ zugewiesen worden. daher verlaeuft auch die rezeption von frauen in avantgarde-zusammenhaengen langsam, oftmals schleppend, unzureichend und mitunter mit falschen vorzeichen. sicherlich – wie auch rutschky richtig anmerkt – ist ein grund dafuer. dass die informationen zu werk und rolle unzureichend sind – was sich aber aus deren stellung in den gruppen wieder zirkelschlussartig ergeben muss.

baroness elsa aber dann als „volkskuensterlin“ zu bezeichnen (das seien leute, die „ihre obsessionen, ja stoerungen und krankheiten mit so viel energie verfolgen und in ein quasi-werk umsetzen, dass moderne kuenstler sie als schattenbilder ihres eigenen tuns und als anreger durchaus schaetzen koennen“). fuehrt dann genau wieder zu jenem ergebnis. dass das buch von gammel ueber die baroness als kontrapunkt so wichtig macht: baroness elsa endlich aus dem „schattenbild“ anderer kuenstler zu holen und sie nicht nur als „anregend“ auf das werk anderer, meist maennlicher kuenstler zu interpretieren. wo beginnt denn – moechte man rutschky fragen – die grenze zwischen „quasi-werk“ und „werk“?

es wird zeit. formulierungen ueber kuenstlerinnen wie ihre „bloss gelebten verruecktheiten“, denen man „heute (…) werkcharakter zusprechen moechte“ entschieden entgegenzutreten. es wird zeit. endlich sich mit den fakten zu beschaeftigen. auch wenn sie verstreut und wenig zugaenglich sind. wir empfehlen. endlich die texte der baroness ins deutsche zu uebertragen und ihre biographie ebenso.

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