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Kategorie: Lektüren

literaturbetriebskarrierekluengel :: gruppe 47

was iss aber wiglaf droste wieder scharf mit den kollegen – lesen sie diese rezension lieber nicht. 😉 aber der neologismus literaturbetriebskarriereklüngel fuer die gruppe 47 hat dann schon was…

38 Jahre nach ihrer letzten gemeinsamen Lesung sind Günter Grass, Hans Magnus Enzensberger und Peter Rühmkorf wieder gemeinsam in einer Bütt – der Literaturbetriebskarriereklüngel „Gruppe 47“ ersteht noch einmal auf, und das Lübecker Publikum verströmt den Hauch von 4711.

lylü, lyrik in lübeck – wiglaf droste (deutschlandradio, 15.04.05)

my own room :: raumteiler modern

oh ja – das hat etwas vom charme einer handwerkerbude (oder wenn sies so lieber haben: einer frickeldatsche): my own room. das konzept ist bekannt – einen eigenen raum in einem bestehenden hineinschachteln:

Enter the good folks at Yamaha. They have cooked up a space-saving home improvement idea that could only work in Japan. It’s called „My Room“ and is basically a room that you build inside your existing room. The dimensions (W1,328mm x D1,770mm x H1,964mm) are laughable as is the price, ranging from 438,900 to 627,900 yen.

need more space (absCreative)

marx lass nach :: kapitalismus kritik extra light

was sich heute alles „kapitalimuskritik“ nennt. ein paar hiebe auf die wirtschaft. ein paar poelsterchen fuer den arbeitnehmer. ein paar fingerzeige gegen die globalisierung. ein paar winke richtung eu. und schon ist der mix „kapitalismuskritik extra light“ fertisch. interessant ist sie trotzdem. die leichte woge in der müntefering nachfolge – vor allem. wenn gleich die grossen register (marx, marxismus, lenin etc. petra) gezogen werden:

In der aufgeregten Diskussion vom Wochenende kann einem rasch das Ausmaß der politischen Entleerung entgehen, die solche rhetorischen Kämpfe auch mit sich führen. Die sonderbare Renaissance von Kapitalismus und Kapitalismuskritik kommt nahezu ohne politisches Futter aus und tendiert umgehend ins Atmosphärische. Eine eher beiläufige Geste schien unlängst der Zündstoff zu sein, mit dem man die Funktionsverhältnisse von Wirtschaft, Politik und Recht auseinander treibt.

tag der heuschrecke. kapitalismus und kritik – harry nutt (FR, 19.04.05)

… das orginal: franz muenteferings rede auf dem 3. programmforum der spd „demokratie. teilhabe, zukunftschancen, gerechtigkeit“ (13.04.05, pdf)
münte, stoppt springer! (TAZ, 20.04.05)
eine neue verblendung (presse, 20.04.05)

wer redet im krimi :: der moerder

Täter, die über ihre Tat reden, sind in der Kriminalliteratur des 20. Jahrhunderts keine Seltenheit. Wenn Täter beginnen, über einen Mord zu sprechen, reflektieren sie die Tat und machen sie zu einer Handlung, die Nachdenken lohnt. Wenn ihnen in der Kriminalliteratur Gelegenheit gegeben wird, über ihr Verbrechen zu reden, wird ihnen in gewisser Weise ein »Mitspracherecht« an den erzählten Ereignissen zugestanden. Wenn der Mörder in einem auf dem Krimi-Schema aufgebauten Roman »ich« sagen und ungeschützt aus seiner Sicht über sein unrechtmäßiges Handeln berichten kann, kommt er dem Leser näher, kann er von diesem eher verstanden
werden.

»Ich werde einen Menschen töten.« Redende »Mörder« in Kriminalromanen und Kriminalnovellen – Elisabeth K. Paefgen (zeitschrift fuer den deutschunterricht, 2/04, pdf – via alligatorpapiere)

wasn zoo :: verleger im schaufenster

das ist ja richtig suess. nich. verleger hocken sich nun selbst in die schaufenster. wird auch zeit. schliesslich machen das buecher und schaufensterpuppen schon ne ganze weile. dauert aber nich lange so ne performance. ne halbe stunde bloss. und wo bleiben die autorinnen. wir plaedieren fuer laengere aufenthalte von autorinnen in schaufenstern! schliesslich ist schaufenster nicht viel anders als zoo oder aquarium. nur fuettern ist verboten.

verleger im schaufenster

das frauenromaenchen :: vor dem fall

hendrik werner von der berliner morgenpost outet sich als leser sogenannter „frauenromaenchen“. denen eigentlich noch nie wirklich ein emanzipatorischer ansatz nachzusagen war. es sei denn. man glaubt dem genretypischen output von verlegern und autorinnen. 🙂 dieser sparte des literarischen feldes dann gender studyistinnen entgegenzustellen. ist womoeglich den windmuehlen gleich ohnehin schon der fall (oder plappert die gender theorie die inhalte der romaenchen nur nach – muesste man mal nachsehen). aber sehr spitzfedrig gebruellt. wir sind amuesiert!

Diskreditieren doch die mit oberflächlichen Geschlechterklischees gespickten Romane von Claudia Keller („Beim nächsten Mann wird alles anders“) und Gaby Hauptmann („Suche impotenten Mann fürs Leben“), Amelie Fried („Traumfrau mit Nebenwirkungen“) und Ildikà³ von Kürthy („Mondscheintarif“) die Emanzipationsgeschichte so sehr, daß man dogmatische Suffragetten oder gender studies-Absolventinnen auf die sendungsbewußten Damen ansetzen sollte.

ach, frau hauptmann! – hendrik werner (berliner morgenpost, 19.04.05)

der bezug aufs andere system

welche rolle koennte die soziologie im system der potentierten beobachtung noch haben – wenn wir ohnehin andere als bezugssystem beobachten – hat schon auch etwas wahnhaftes. wenn man baekers beschreibungen liest:

Wozu braucht man einen systematisch auf Beobachtung und Beschreibung festgelegten Beobachter, wenn bereits jeder (fast) jeden beobachtet, um sich in dieser Gesellschaft zu orientieren? Gut, man könnte sagen, dass die meisten Beobachter damit beschäftigt sind, so zu tun, als würden sie die anderen nicht zur Kenntnis nehmen. Blitzschnell werden die jeweils neuesten Einsichten aus der Beobachtung zweiter Ordnung dissimuliert, um anschließend so tun zu können, als wäre man nach wie vor nichts anderes als identisch mit sich selbst.

beobachterbeobachtungen – dirk baeker (TAZ, 19.04.05)