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turner preis wird 20

der britische „turner preis“ – der kunstpreis in grossbritannien – wird 20 jahre alt. der guardian bietet nun einen ueberblick aller gewinner und nominierten aus 20 jahren…

As we celebrate 20 years of Britain’s most infamous art prize, the Tate, Guardian and Channel 4 have joined forces to find your favourite Turner prize nominee over the past two decades. Below are images of each year’s winning artist’s work, but you have every single nominee to choose from – follow the links to find more examples of their work, on the Tate’s dedicated website.

die literarische landschaft ist mit preisen vollgestopft

Two other quick comments. In a literary landscape cluttered with prizes, it seems insane to propose yet more prizes. Still, it would be nice to see a separate prize, offered with all the publicity of the Giller, to short story collections. It would also be nice to see a prize for best work of Canadian French language fiction translated into English. The literature of francophone Quebec is the great absence at the Gillers.

(Literary culture can’t do without prizes – PHILIP MARCHAND, toronto star, ca)

marchand macht darauf aufmerksam. dass der noch relativ junge „giller literatur preis“ (kanada) nicht nennenswerte neue, gute autoren hervorgebracht hat. entweder sind die autoren schnell wieder in vergessenheit geraten oder sie waren schon bekannt wie margret atwood. aber die jury haette es nicht „allzu schlecht gemacht“. ueberhaupt kaeme der literarische betrieb ohne preise nicht mehr wirklich aus. als erklaerung fuehrt er das fernsehen an, das mit seiner hybridisierung verschiedener medien das buch „broadcastet“ (er bezieht sich dabei wieder mal explizit auf mcluhan).

der fernsehkritiker tritt an die stelle des autors

wenn sich ein literaturkritiker mal zeit und zeilen nimmt. dann wirds meisthin auch interessant. helmut boettiger hat sich zeit genommen und einen versuch gemacht. den literaturbetrieb als verpackungsindustrie zu analysieren: „die verpackungs-industrie. wenn ein schriftsteller heute erfolg haben will, muss er mit den medien spielen. es ist ein spiel mit dem feuer.“ (tagesspiegel, 14.09.2003)

vorab sei gesagt – ohne gleich schubladen aufzumachen – der text haelt was er verspricht. er zieht das ganze register. leert alle moeglichen schubladen aus. laesst dabei aber leider einiges locker liegen und wie immer bei scharfen ritten. geht er mitunter mit einer zu flapsigen geste zuwenig ins diskursive detail. was boettiger anderen vorwirft – die trendige verwendung von begriffen. holt ihn selbst ein.

gleich zu beginn des artikel stutzt man: boettiger setzt an die stelle des autors den fernsehkritiker als wichtigste instanz fuer die vermittlung von buch und literatur. fuehrt aber im naechsten satz als beispiel benjamin von stuckrad-barre an. als „aufhebung des autors durch starkult und pop“ und schliesst dann mit der mcluhan formel „das medium ist die botschaft„.

? die erste folgerung schliesst nicht selbsttaetig von fernsehkritiker auf autor + starkult
? die mittlerweile – meisthin nicht wirklich nachgeschlagene – verwendung von mcluhan wirkt wie eine pattstellung

danach folgt eine folgerichtige darstellung der literaturpraesentation als event, party, dj-irgendwie. boettiger spricht vom subtext der literatur, einem „text mit anderen raendern“ – wir wuerden es mit genette schlicht paratext nennen.

? eine laxe zuspitzung findet sich in der verwendung des begriffs „avantgarde“: protagonisten von literaturevents sind fuer boettiger gleich zu setzen mit „avantgardisten“. fuer die text und auftritt deckungsgleich seien.

in der eventkultur von literatur sei diese „wieder auf der hoehe der rezeption“ angelangt. also dort wo literatur oder jedes medium angefangen hat: in den cabarets, rummelplaetzen und in den einschlaegigen medien. (insofern waere historisch gesehen das medium literatur nun in den anfaengen des mediums films angekommen – aber auch avantgarde-bewegungen haben ja immer die verbindung von kunst/literatur und leben eingefordert; etwa die verbindung von kabarett und dada – wobei die verbindung in diesem fall das bewusste verlassen des „offiziellen“ literatur- und kunstbetriebs darstellt; in einer abgespeckten version gilt das sicherlich auch fuer die anfaenge der popliteratur in deutschland.). Weiterlesen „der fernsehkritiker tritt an die stelle des autors“

pufferzone :: kunstbetrieb

diskursiver nachhall zum triumphbogen von gelatine in salzburg – aus einer vorort quelle: dem salzburger kunstfehler:

Innerhalb des konventionellen Kunstbetriebs verpufft (nahezu) jede Provokation folgenlos. Wenn die Kunst einmal die gemeinhin auch als Museen bekannten Sicherheitsverwahranstalten verlaesst, also im oeffentlichen Raum platziert wird, scheinen Eingriffe auf politischer Ebene immerhin moeglich. Vorausgesetzt die Funktion dieser oeffentlichen Kunst besteht nicht bloss in einer niedlichen Verzierung oder Moeblierung des urbanen Umfeldes. Nicht in jedem Fall darf den in diesem Feld operierenden Kuenstlern Beihilfe zur „Aufwertung“ der staedtischen Lebensraeume im Sinne der Maechtigen unterstellt werden. Unterschiedliche Formen symbolischer Politik beruehren seit gut zwei Jahrzehnten immer wieder die Kunstdiskurse.

(doc holliday – artisten, tabus, aktionen)

Genau das, die radikale Abwesenheit von Geheimnissen und sublimen Details, ist aber typisch fuer Pornographie. Der eigentliche Skandal (Hussleins „Anschlag auf die Kunst“) ist das „leere“ Kunstwerk vor dem Rupertinum (ein nach Umberto Eco „offenes Kunstwerk“ haette zumindest mit den barocken Hellbrunner Wasserspielen geliebaeugelt) sowie Sexisten, die sich ueber angebliche Pornographie beschweren. Die Ironie liegt dabei freilich darin, dass der (ab)spritzende Triumphbogen eine klassische Maennerphantasie (Selbstbefruchtung) darstellt. Aber wer denkt schon soweit – oder an Kenneth Angers Gay Cinema-Phantasmagorie „Eaux d’Artefice“?

(didi neidhart – Die wahren Skandale sind andere)

geschichte der (kunst-)akademien

…Aber an dieser Stelle muesste man sagen, dass durch diese beiden Akademien (Accademia di S. Luca in Rom und Florentiner Akademie,anm. ri) die Hauptziele fuer Kunstakademien gesteckt wurden: Das Monopol ueber die Bewertung von Kunstwerken, Repraesentation und Reproduktion.

Ausserhalb der Akademien war eine Ausbildung zum Maler oder Bildhauer nicht mehr denkbar. In dieser Periode entwickelte sich der ‚grosse Stil‘. Ich glaube, die Problematik, oder krasser gesagt, das Verhaengnis der Akademien begann mit dieser Verknuepfung des Akademiegedankens mit der ausschliesslichen Festlegung auf einen einzigen, vom Staat gewuenschten Stil.

(aus einem fingierten interview (montierten texten von np) mit nikolaus pevsner)

trend lass nach

kaum wird eine neue mode gesichtet, ein neuer film/buch/platte veroeffentlicht, irgendwas mit kultfaktor gewittert, stuerzen sich die content-junkies darauf, auf der suche nach der ewigen coolness – du bist nur so gut wie dein letztes posting.
elendes trendgeseier im weblogland – dekaf

dekaf macht endlich mal ein gutes fass auf. 🙂 ist nur die frage. ist non-trending dann auch schon trendy. sind also die klassichen avantgarde-fragen. was bleibt. wenn trend und aktualitaet die einzigen verbliebenen aufmerksamkeitsspannen sind. und avantgarde dann all das nicht sein will und kann. wat dann?!

monochrom schlaegt wirklich alles :: Cocktail-Robotik

Bis vor kurzem gab es keine Versuche, die Rolle der Cocktail-Robotik als Index fuer die Integration technologischer Entwicklung in die menschliche Lebenswelt oeffentlich zu thematisieren und der Entstehung neuer, a priori dem Radikalhedonismus verschriebener Beruehrungspunkte in der Mensch-Maschine-Kommunikation zur Dokumentation zu verhelfen. Dieses Vakuum versucht Roboexotica zu fuellen.

(Roboexotica – monochrom)

roboexotica 2003 / das festival fuer cocktailrobotik / 7. – 16.11.2003
im monochrom Raum in der Electric Avenue des Museumsquartier Wien

(via sinnhaft)

Of blogging and unemployment

„Good. That means that as it’s your site on your own server, you have the right to say anything you want. Unfortunately, Microsoft has the right to decide that because of what you said, you’re no longer welcome on the Microsoft campus.“

(Of blogging and unemployment – eclecticism)

also: liebe bloggergemeinde. schreiben sie nie in ihren blogs von arbeitszusammenhaengen. oder aehnlichen lohnabhaengigen umhaengen! diesem herrn blieb nicht mal mehr die option. den blogeintrag zu entfernen. aber sie kennen das ja mit den betriebsgeheimnissen: sehen sie mal in ihren arbeitsvertrag. 😉

It seems that my post is seen by Microsoft Security as being a security violation. The picture itself might have been permissible, but because I also mentioned that I worked at the MSCopy print shop, and which building it was in, it pushed me over the line. Merely removing the post was also not an option — I offered, and my manager said that he had asked the same thing — but the only option afforded me was to collect any personal belongings I had at my workstation and be escorted out the door. They were at least kind enough to let me be escorted out by one of my co-workers, rather than sending security over to usher me out, but the end result is the same.

(Of blogging and unemployment – eclecticism)

der kampf um aufmerksamkeit: wider schreibende speichellecker

Journalisten muessen die Hoheit ueber die Mikrofone und Schreibmaschinen wieder erkaempfen. Dem Publikum wuerde das ersparen, nichts sagende Antworten auf daemliche Fragen hoeren oder lesen zu muessen. Nebenbei wuerde es sein Urteil ueber Journalisten mildern. (Schreibende Speichellecker – peter koepf, taz via baumert)

wow – und so ne fanfare am morgen! 🙂 es gibt sie wider erwarten also doch noch – die kritiker der schreibenden zunft, die tapferen visionaere! wir wuenschen uns mehr hoheit fuer sie!