fontane :: in london

Das ergiebigste Feld indes bleibt doch immer die Malerei. Es gibt geradezu Fabriken, die sich mit der Anfertigung von Murillos, Rubens und Tizians beschäftigen. Was England beherrscht, und zwar mehr als sein Parlament, das ist die Mode. Die »Fashion« fordert jetzt alte Bilder, gleichviel ob gut oder schlecht, nur alt, nachweislich alt, und versteht sich von einem Maler von Ruf. Da wachsen denn die Van Dycks, de Crayers, Snyders und Rembrandts aus der Erde, und wundert sich der Käufer, in leiser Ahnung eines Betruges, über den verhältnismäßig niedrigen Preis (das böse Gewissen läßt die höchsten Forderungen denn doch nicht zu), so heißt es: »ein glückliches Ohngefähr, die Unkenntnis des Vorbesitzers, setzen uns in den Stand usw.« Ich hörte noch gestern von einem Galerie-Inhaber sprechen, der seine wirklich schöne Sammlung zehnmal verkauft und schließlich doch noch die Originale besessen habe.

manufaktur in der kunst – theodor fontane. in: fontane, theodor: ein sommer in london. 1854 (source: wikisource.org)

fenster in eine andere zeit. erinnerung an den auslandskorrespondenten theodor fontane (berliner zeitung, 09.06.05)

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