das bild des kristallpalasts :: im weltinnenraum des kapitals

Wenn die aktuelle Welt als „Empire“ im Singular behandelt wird, verpasst man die Pointe, dass die aktuelle Kapital- und Komfortwelt eine hochgradig exklusive Struktur ist. Ich nehme dagegen von Dostojewski das Bild des Kristallpalasts auf, mit dem er schon in den 1860er-Jahren die westliche Konsumwelt auf den Begriff gebracht hat. Man muss heute seine „Aufzeichnungen aus dem Kellerloch“ wieder lesen – das ist die Magna Charta der Globalisierungsgegnerschaft und des antimodernen Ressentiments. Man kommt von Dostojewskij sowohl zu Attac als auch zu den Islamisten. Der große Vorteil der Kristallpalastmetapher besteht darin, dass man schon am Namen das Entscheidende abliest: Hier hat man es mit einem Gebäude zu tun, das eine enorme Innen-Außen-Differenz aufrichtet. Der Ausdruck „Empire“ hingegen suggeriert, dass alles bereits vom System erfasst ist. Wenn man genau hinsieht, erkennt man, dass Negri eine Mystik des Dagegenseins pflegt, die das Ganze als Gegner braucht – so wie einst der Christ die Welt als Folie für Weltflucht brauchte. Ich lese das wie eine Totenmesse für den Linksradikalismus.

therapie fuer die linke – peter sloterdijk im gespraech (falter 23/04)

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