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Schlagwort: Avantgarde

Theorie und Tribes: überall Theoriewillige!

Wenn man sich die Tribes – vulgo Online-Diskussions-Gruppen – zu Themen wie Walter Benjamin, Adorno, Situationisten, Dada, Futuristen (etc. pepe) allein von den Mitgliederzahlen her ansieht, würde man meinen, es gäbe nur Walter-Benjamin-Interessierte, Adorno-Fetischisten, Parade-Situationisten, Dada-Lovers oder Kern-Futuristen:
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die neue wiener gruppe: perpetuum flexibile

na servus – könnte man auf schlecht österreichisch polemisieren: was sich heute alles als nachfolge oder -er begreift. ein wenig subkulturellen hier. ein wenig eigenverlegerischer “kitsch” dort (ok. ich könnte das jetzt entschärfen. fühle mich aber gerade nicht in der lage. in stabiler rage vielleicht schon). und schon zieht man sich an: was man im engen literarischen feldhügel gerade noch ausgräbt: die neue wiener gruppe!
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vom fehlen des utopischen surplus

robert misik fasst ganz gut den aktuellen stand der kunst-oekonomie frage zusammen. inwieweit die kunst/der kuenstler der oekonomie in seiner autonomie/arbeitsweise immer zugearbeitet hat bzw. von der oekonomie als vorlage fuer aktuelle berufsfelder/-bilder verwendet wird: die kulturgesellschaft und der neue geist des kapitalismus (TAZ, 02.05.06).

Vom utopischen Surplus der Kunst bleibt dann freilich nicht mehr viel. Statt dieses Mehrwerts liefert die Kunst das, was den Waren zu mehr Wert verhilft.

freilich: geht misik vom diesem utopischen surplus aus. den man nicht auf die kunst anwenden muss (sehr weniges hat einen avantgardeanspruch heute …)

avantgarde konzeptionen auf stipendienniveau

jetzt sind wir gaenzlich allein gelassen. was das vermeiden von klammern im literarischen feld betrifft. wir dachten noch. wir haetten kombatanten frueher. mittlerweile wurden sie weniger. ihre stipendien und preise immer mehr. zuletzt dachten wir noch. wir haetten noch den einen oder die andere. die sich nicht unterwerfen wuerden. aber nun sind wir alleine: avantgarde konzeptionen. dass wir nicht lachen. das ist nun schon zutiefst laecherlich. ralf b. korte in schoeppingen. dass wir das noch erleben mussten. schade das. und damit ist das wir unter der bloggenden erde. es faellt nicht mehr tief. und duerfen wir fragen. wie gehts ihnen.

mir gehts gut. danke. der nachfragen.

perspektive :: interview im deutschlandradio

so zusammenfassungen von jahrelangen projekten wirken in wenigen minuten auf radiolaenge oftmals recht scherenschnittartig. immerhin zeichnen sie sich genug vor der weissen wand des literaturbetriebs ab. dass man das projekt unterscheiden kann.

andré hatting hat im deutschlandradio (6.10.05 – audiobeitrag) das zeitschriftenprojekt “perspektive” – literatur einmal anders – in den noetigen schnellrahmen gestellt – dabei werden dann auch gerne die aktionistischen spitzen betont (nein. es war keine einsame inhaltliche spitze der ritt ins schloss solituede – auch wenn wir nicht mit dabei waren. aber spitze meint. dass es eben ein bereits laenger bestehender kontext war. aus dem heraus diese aktion gesetzt wurde.). der schnellschuss von der schuelerzeitung bis zum avantgarde blatt mag fuer die archive wichtig sein. wir hatten die schueler nicht mehr mitbekommen. :-)

vorgestellt wird im beitrag und interview (audiobeitrag – schoen auch der vertipper von ralf b. korte zu rainer b. korte) das aktuelle “jubilaeums”-heft “REDUX” und der herausgeber ralf b. korte schlaegt sich tapfer beim interviewdanke fuer den hinweis von andré hatting. dass nicht er das interview. sondern herr hettinger es gefuehrt hat. im uebrigen war das fuer uns nicht wirklich erkennbar. wer der interviewer fuer den beitrag war.. es muss halt doch immer. der bogen zum herkoemmlichen literarischen betrieb und dessen erwartung/themen geschlagen werden. aber trotz allem – hoffentlich endlich ein start in eine etwas groessere publikumsecke – sitzkissen werden schon verteilt.

und die frage zwischen rosengaertlein und markt laesst sich eigentlich nicht mehr wirklich aufstellen. weil nicht mehr hinreichend trennbar. priessnitz mit alkoholfahne – nun ja auch eine moeglichkeit. den experimentellen habitus priessnitz gegenueber runterzuleveln. ;-) insofern hat herr hettinger nicht unrecht. wenn er den spassfaktor dabei betont.

schoen. dass herr hettinger einen auszug aus unserem redux verfahren ausgesucht hat. :-)

perspektive page fuer weitere infos, u.a. zum neuen heft

der optische schauder :: duchamp

Seit Courbet meint man, die Malerei wende sich ausschließlich an das Auge – ein allgemeiner Irtum. Der optische Schauder![*] Vorher hatte die Malerei ja auch andere Funktionen, sie war religiös, philosophisch oder moralisch ausgerichtet. Ich selbst habe zwar glücklicherweise zu dieser Anti-Netzhaut-Position gefunden, aber viel geändert hat sich dadurch nicht: unser gesamtes Jahrhundert ist dem Optischen verfallen.

marcel duchamp, zit. nach peter bexte. blinde seher (1999)

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* zit. von michael naumann “ohne antwort ohne trost” (zeit, 04.04.05)

das historische :: readymade

Wenn der Terror Vorstellung hat, dann wäre ein kaum geläuterter Ex-Terrorist auf und hinter der Bühne heute sowieso nicht mehr als ein historisches Readymade.

readymade – ralf hanselle (freitag, 01.04.05)

soso der ex-terrorist setzt sich postfaktum in den kunstkontext und wird durch das kunstfeld zur kunst oder zum ex-terroristen oder beides?

Dictionnaire abrégé du Surréalisme : “an ordinary object elevated to the dignity of a work of art by the mere choice of an artist.”

the unfindable readymade (tout-fait)

do it :: hans-ulrich obrist

Do it, das sich seit zwei Jahren entwickelt, ist nach wie vor eines meiner Hauptprojekte. Hier geht es um den Begriff der Handlungsanweisung. Die Handlungsanweisung in der Kunst war eigentlich immer präsent. Bereits bei Rubens ist sie implizit vorhanden. Explizit kam sie zum ersten Mal in diesem Jahrhundert bei Duchamp vor, der aus Argentinien seiner Schwester in Paris telegraphisch mitgeteilt hatte, sie solle auf einem Balkon das Ready-made Malheureux realisieren. Kurz danach hat Moholy-Nagy zum ersten Mal eine Arbeit über das Telephon verwirklicht. Im Zusammenhang mit Fluxus sind Handlungsanweisungen ebenfalls sehr wichtig, beispielsweise bei Alison Knowles, George Brecht etc. In den 70er Jahren wiederum hatte Pistoletto Anweisungen für seine “Cento Mostre” gegeben. Im Gegensatz zu dem eingefrorenen Ready-made, wie dem Flaschentrockener von Duchamp, der heute in einer Glasvitrine im Museum steht, geht es bei do it um den fluiden Ready-made-Begriff, der auch bei Duchamp vorkommt, wie zum Beispiel: “Man nehme ein Lexikon und streiche alle Wörter, die einem mißfallen”. Das kann jeder realisieren, auch heute noch. Bei dieser Art von Ready-made bleibt alles fließend.

ein gespraech mit hans-ulrich obrist

… das projekt “do it” im web auf e-flux
… als buchversion im revolverlag
… die tv-version im museum in progress

rezeptsammlung (TAZ, 26.02.05)