wer andere lobt :: will nur selbst gelobt werden

rezensenten nehmen sich schon mal gerne frech- und grobheiten in ihren urteilen heraus. die einer nur die haare zu barte stehen lassen: so schlaegt uwe ebbinghaus in seiner rezension von arno schmidts radioessays „von buechern und menschen“ gleich ganz fest in die kerbe des literaturbetrieblichen. wer andere autoren lobt. die von anderen nicht gelobt werden. will sich damit selbst loben und von anderen gelobt werden – einfacher gehts dann wirklich nicht mehr:

Arno Schmidts Radio-Essays „Von Büchern und Menschen“, die sich der Aufwertung unterschätzter Dichter-Kollegen widmen, lassen keinen Zweifel: Dieser Mann sehnte sich selbst nach gerechtem Urteil – die präzise Würdigung der Schicksalsgenossen sollte die eigene antizipieren.

arnos langer weg zum wake – uwe ebbinghaus (welt, 28.02.04)

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6 Gedanken zu „wer andere lobt :: will nur selbst gelobt werden

  1. naja – was so logisch scheint. 😉 wir halten die beschaeftigung mit autorinnen. die – ob nun historisch oder aktuell – sich nicht im literarischen kanon befinden bzw. nur ungenuegend im kanon reflektiert werden. zuallererst mal fuer sehr notwendig.

    ob arno schmidt mit dieser beschaeftigung einen einblick in eigene unzulaengliche bindungen an den literaturbetrieb gewaehrt. ist dann zweitrangig und wird auch in der forschung entsprechend kontextualisiert.

    der rueckschluss vom eigenen arbeiten auf die eigene person im feld ist zwar erlaubt. soll aber nicht dazu benutzt werden. die person/den autor und seinen ansatz darauf zu reduzieren. was der rezensent jedoch gleich im ersten absatz seiner rezension unternimmt.

  2. Das, was so logisch zu sein scheint, i s t es. Aber eben mit Grund: Tatsächlich bedeutet, für andere Autoren einzustehen (die ja immer bestimmte sind), sich ästhetisch zu positionieren. Insofern die ästhetische Position verteidigt wird oder gar mit ihr Attacken unternommen werden, ist das immer eine Attacke des „Eigenen“. Ob dabei eine Klage mitschwingt, ist in der Tat marginal, denn man schafft im Idealfall eine „Bewegung“, und zwar eine imaginäre (=literarische). Man „setzt“ eine Art, sagen wir, Gegen-Klassik. Gegen-„Avantgarde. Gegen-„Pop“. Was nun auch immer. Jedenfalls richtet sich die Dynamik gegens Festgefahrene Geschmierte.

  3. fuer uns erscheint das eben nicht einfach so LOGISCH. wie sie das hervorzuargumentieren belieben. sicherlich. wenn man arno schmidts hoertexte ueber etwa stifter zuhoert. steht da zum einen das beschaeftigen mit anderen autoren/schreiben. und zum anderen auch das eigene als gegenfolie hervorgehoben (also arno schmidts arbeit mit texten). aber gerade stifter ist ja fuer diese arbeit zum einen ein „schlechtes“ beispiel. weil er ihn ja scharf negativ auseinandernimmt. und zum anderen sicherlich einen eigenen „gegen-kanon“ entwirft. wenngleich vielleicht eher zu vermuten ist. dass er seine arbeiten an vom kanon vernachlaessigten autoren nicht in einen neuen „kanon“ stellen hat wollen. (aber das ist unsere vermutung).

    was sie hier praesentieren. ist IHR wunsch. einen gegen-kanon zu generieren. der mag fuer viele autoren durchaus auch bestimmend sein (wir koennten da auch einiges an arbeiten nennen. tun das aber nicht im errichten eines neuen gegen).

    wo unser argumentative hase im pfeffer lag. war nicht der teller von arno schmidt und dessen arbeiten mit vergessenen. sondern die rolle. die diese arbeit im rezensionsgetriebe zu spielen scheint. dass ein rezensent eine interessante arbeit an der literaturgeschichte mit dem betriebsueblichen satz beginnt: alles. was wir tun. tun wir nur. um unseren platz in den literarischen betrieb zu erhalten. und genau das ist das perfide. nicht ob arno schmidt tatsaechlich mit seinen gegenkanonischen arbeiten seine eigene arbeit unbedingt hat aufwerten wollen.

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