Das Außen machts nicht mehr lange – Terkessidis fürchtet sich nicht

Auch wenn ein Außen theoretisch ja eine diskurswürdige Angelegenheit sein mag, praktisch lassen sich dazu genügend Beispiele finden. Und: Mark Terkessidis auch mal poetisch prophetisch, Wahnsinn! 🙂

Tatsächlich ist ständige Angst erbärmlich und lähmend. Es geht um mehr als ums eigene Überleben, um privates Glück in der häuslichen Festung, um mehr als um individuelle Lösungen für Armut und Schlaglöcher. Erst wenn man den Terror der Furcht als Beschneidung der eigenen Lebensmöglichkeiten begreift und sich der Gefahr stellt, dann hat man die Freiheit der Wahl und die Möglichkeit zur Veränderung. Dann küsst man die Zukunft.

Quelle: Das stumme Aufblitzen des Außen – Mark Terkessidis (TAZ, 28.03.07)

neue buergerlichkeit: kommentar terkessidis

im uebrigen hatten wir ganz vergessen – natuerlich haben wirwir muessen feststellen. dass das mit dem „ich“ nicht klappen kann. weil das „wir“ eine poetologische ersatzperson ist. die sich laengst selbstaendig gemacht hat. eine kernige ich-ag immerhin. 🙂 ihn gelesen. aber manchmal lassen wir dinge wieder irgendwo liegen. nehmen es dann wieder tabhaft zur brust und erinnern uns. dass wir es ins blogmass bringen muessten -. auf einen ganz wunderbaren terkessidis kommentar hinzuweisen. der uns zum einen seine sportlichen seiten zeigt (aha. man spielt wieder tennis mitnem kumpel ;-)). und zum anderen eine seite der „neuen buergerlichkeit“„neue buergerlichkeit“ – serie in der TAZ auf einer sehr persoenlichen beispielebene aufzeigt. die wir sehr gewinnend fanden. im uebrigen (doppelt haelt besser!) trifft fuer seinen kommentar der bezug zum untertitel der reihe „feine unterschiede“ im sinne von bourdieu am besten zu:

Was ich nicht wusste: Stipendien werden in Deutschland überhaupt nicht nach Leistung vergeben. Sondern der Maßstab ist eine Mischung aus Beziehungen, dem richtigen Stallgeruch und dem Diktat der intellektuellen Mode. Zunächst sind Noten oder Publikationen für die Vergabe von Stipendium vollkommen irrelevant – wichtig ist, dass der eigene „Doktorvater“ gute Beziehungen in die jeweiligen Entscheidungsgremien hat. Tatsächlich können zu viele Publikationen sogar schaden. Von einer Stiftung wurde mir das unglaubliche Argument kolportiert, dass man mich abgelehnt habe, weil ich ja bereits zu „berühmt“ sei – da könne ich die Arbeit ja auch selbst finanzieren. Die Voraussetzung für den Erfolg der Bewerbung wäre also gewesen, weniger Eigeninitiative und Leistungsbereitschaft zu zeigen.

unter sich bleiben leicht gemacht – mark terkessidis (TAZ, 24.01.06)

wir muessen nicht reden :: ueber profitinteressen schon

wir lieben ja so gemeine formulierungen. die alles und nichts zusammennehmen. und alles und jeden zusammen- oder auseinanderdividieren. solche metaphernschleichwerbung betreibt ulf poschardt. wenn er aus dem schatzkaestchen der gemeinplaetze schoepft. da bewegt sich. was sich veraendert. da bleibt stehen. was sich nicht bewegt. etc. pp..

der gemeinplatz ist volkshandschuettelnd. also seis drum. schliesslich ist dutzen in deutschland auch gemeinwohltauglich. mittlerweile. aber das ganze dann noch mit diesem und jenem ressentiment zu unterheben. walkt dann alles zu einer backmetaphorik aus. die kein aussen mehr kennt – denn das sowohl aus auch und noch viel mehr macht den argumentkalauer dann perfekt.

wer nicht genau unterscheiden kann – schliesslich steht und faellt das gute argument mit einer vorherigen begriffsklaerung – sollte sich dann wenigstens die schelte sparen. das geht – um hier auch ne menge metaphorischen bim bamb loszulassen – dann von hinten immer wieder los.

wir finden uns nun endlich unter einer schoenen rubrik subsummiert: den denkfreudigen unter 50 (warum nicht ueber 50 – weit ist es ja nicht mehr. was sind schon ein paar jahrzehnte!). und diederichsen war uns bis dato nicht bekannt als betonter festhalter der letzten feste(n) der sozialdemokratie? mag ulf poschardt hier bewusst hineinzementieren?
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eine neue linke :: muesste endlich die richtigen fragen aufwerfen

mark terkessidis setzt sich mit der wahlalternative WASG und der hoffnung einer neuen linken alternative auseinander. da deren argumente weit hinter den fragestellungen der globalisierungskritiker zurueckbleiben:

In der globalisierungskritischen Bewegung wird seit geraumer Zeit über die „Multitude“ gesprochen, also über die Vielheit. In dieser Debatte ist sicher nicht alles Gold, was glänzt, aber zumindest werden die richtigen Fragen aufgeworfen.

strebsame retter des grossen ganzen (TAZ, 20.06.05)

hotel, container, zelt – projekt holert/terkessidis

In unserer Untersuchung soll es also darum gehen, das Hotel, den Container und das Zelt als Orte und Objekte zu betrachten, in denen sich unerwünschte und erwünschte Migration verdichten – als durchlässige oder abgedichtete Räume und Gegenstände, welche mobilisieren und mobile Personen im Zustand des Transits erstarren lassen – als psychogeografische Topoi, die Subjektivierungen stimulieren und steuern und die Bilder migrantischer Subjektivität strukturieren.

projekt „hotel, container, zelt – orte und objekte der migration“ von tom holert und mark terkessidis (transmigration.org)

die banalitaet des rassismus :: terkessidis

Das teilt sie mit anderen Einheimischen, die sich wundern, dass man als „Südländer“ nicht bei brütender Mittagshitze das Gesicht in die pralle Sonne halten möchte. Oder mit wiederum anderen, die kaum verstehen können, dass man es nicht toll findet, bei 35 Grad im Schatten draußen Sport zu treiben – schließlich sei das doch „unser“ Wetter.

aus der leseprobe zu mark terkessidis buch „die banalitaet des rassismus“ (transcript-verlag – pdf)

die kartographie :: des verschwindenlassens

Wenn man in Israel/Palästina einen Besuch bei Organisationen macht, die etwas mit Menschenrechten zu tun haben, dann verlässt man das Büro stets mit einer Karte in der Hand. Peace Now in Jerusalem etwa verteilt detaillierte Karten, auf denen die neuesten „Outposts“ der israelischen Siedler im Westjordanland verzeichnet sind – dabei handelt es sich zumeist um einen Container oder eine Baracke, mit deren Hilfe eine neue Landnahme angezeigt wird. Bei der UN-Organisation für humanitäre Angelegenheiten (Ocha) in Gaza-Stadt erhält man eine „Closure Map“, eine Karte, auf der die Mobilitätsblockaden der israelischen Armee in Gaza verzeichnet sind.

auffahrt ins nirgendwo – mark terkessidis (TAZ, 12.04.05)

koelner kunstverein :: reihe heterotopien

die reihe „heterotopien“ im koelner kunstverein loest beim publikum gerne mal heftige allgemeinplaetze und abwehrreaktionen aus (s. bericht der kulturnation). heute abend auf ein neues und fuer uns besonders spannend mit erol yildiz. der an einer untersuchung ueber den koelner stadteil ehrenfeld mitgewirkt hat („die multikulturelle stadt„):

Deswegen habe ich auch Erol Yildiz eingeladen. Mit Wolf-Dietrich Bukow und anderen hat er eine Untersuchung zur „Multikulturellen Stadt“ gemacht. Sie haben sich Köln-Ehrenfeld angeschaut und sind einmal nicht davon ausgegangen, dass Heterogenität böse ist. Dabei haben sie festgestellt, dass das Zusammenleben ganz gut funktioniert, auch wenn die Leute teilweise nicht viel miteinander zu tun haben. Mein Gott, Köln ist eine Großstadt! Ich habe nicht einmal mit meinen Nachbarn etwas zu tun! Daraus lässt sich die Forderung ableiten: Lasst die Leute einfach mal in Ruhe! Migranten werden permanent belästigt, indem man irgendwelche Forderungen an sie stellt.

auch gothics leben in einer parallelgesellschaft – interview mit mark terkessidis (TAZ, 03.03.05)