vom fehlen des utopischen surplus

robert misik fasst ganz gut den aktuellen stand der kunst-oekonomie frage zusammen. inwieweit die kunst/der kuenstler der oekonomie in seiner autonomie/arbeitsweise immer zugearbeitet hat bzw. von der oekonomie als vorlage fuer aktuelle berufsfelder/-bilder verwendet wird: die kulturgesellschaft und der neue geist des kapitalismus (TAZ, 02.05.06).

Vom utopischen Surplus der Kunst bleibt dann freilich nicht mehr viel. Statt dieses Mehrwerts liefert die Kunst das, was den Waren zu mehr Wert verhilft.

freilich: geht misik vom diesem utopischen surplus aus. den man nicht auf die kunst anwenden muss (sehr weniges hat einen avantgardeanspruch heute …)

politik :: eine gleichung hoeheren grades

meine guete: robert misik laessts laufen –

Es könnte so laufen. Und wenn es nicht so läuft, dann womöglich nicht nur deshalb, weil etwa die CDU weiß, dass Schröder es so machen könnte – sondern weil Schröder weiß, dass die CDU weiß, dass er es so machen könnte. Denn der linguistisch-politische Komplex ist extrem selbstreferentiell, eine Gleichung höheren Grades.

verrat. flexibilitaet, befreiungsschlag – robert misik (taz, 20.09.05)

shrinking cities – archplus 173

schon wieder so ein hippnes-traechtiges heft: shrinking citiesarchplus 173

“Den Ché am Revers, Negri im Regal, Wir sind Helden auf dem Plattenteller, abends in eine Pollesch-Soap und samstags zur No-Global-Demo: Wo man hinblickt, Gesten des Rebellischen. Radical Chic oder Symptom einer neuen Konstellation?”

die neuen revolten – robert misik (archplus 173)

haben wir natuerlich sofort bestellt. 🙂 und als sonderaktion via perlentaucher – deren werbeanzeigen wirklich interessant gesetzt sind, viele zeitschriften werden dort angeteasert – entfallen die versandkosten bis 14.07.05..

das gleiche :: als differenz

Postmarxisten, Diskursjockeys, unorthodoxe Gesellschaftskritiker beschäftigen sich seit 20 Jahren vornehmlich mit Phänomenen wie Differenz, Culture Jam, mit distinkten Identitäten, dem Zusammenprall und auch der fröhlichen Vermischung von Unterschiedlichkeiten. Differenz ist spannend, Gleichheit fad. So wie die anderen will ohnedies keiner sein: Mainstream ist das Letzte. Jeder wünscht sich als eine unverwechselbare Type zu sehen, eine Sehnsucht, die mit dem Markenbewusstsein moderner Ich-AGs harmonisiert. Diese existenzialistische Wende (Diedrich Diederichsen) war die linke Spielart der Individualisierung: Gender-, Schwule- und sonstige Diskurse waren und sind erstaunlich widersprüchlich codiert – die Forderung, als gleichwertig respektiert zu werden, korrespondierte mit dem eingeforderten Recht aufs Anderssein, auf Differenz.

eine harte lehre fuer metropolitane kulturlinke: gleicheit, nicht differenz ist das problemfeld der stunde – robert misik (TAZ, 03.05.05)

TAZ :: muss. wer rudi dutschke sagt. auch gewalt sagen

interessant ist sie schon. die diskussion ueber das kleine baendchen „rudi dutschke andreas baader und die raf“ – besonders wenn man die aufsaetze selbst dann mit anliest. dann kann man saemtliche fein- und grobheiten der dispute noch genauer festmachen:

Jeder spürt heute: Es bräuchte mehr, nicht weniger Guerilla-Mentalität. Was, wenn unsere drei Hamburger Helden nur dieses Gespür aggressiv wegzuschreiben versuchen? Seine eigene Gewaltfaszination kann kaum einer der in dem Sammelband vereinigten Texte verbergen, vor allem die schwüle Dokufiktion Karin Wielands nicht, die Andreas Baader fast so verfallen sein dürfte wie einst die Meinhof. Das Leiden an der eigenen unheroischen Existenz wird hysterisch abgewehrt. Die eigene Gewaltfaszination wird am Chiffre 68 abgearbeitet. Die Sehnsüchte, die gewissermaßen negativ in jedem dieser drei Texte eingeschrieben sind, sind gewiss nicht nur am Hamburger Mittelweg verbreitet. So gesehen ist die Debatte Teil einer Symptomatik – und interessant.

lob der guerilla mentalitaet – robert misik (TAZ, 15.03.05 – in der reihe „muss. wer rudi dutschke sagt. auch gewalt sagen?)

… aus der reihe
fantasievolle ueberraschungen – klaus meschkat (TAZ, 01.03.05)
der eskalationsstratege – wolfgang kraushaar (TAZ, 08.03.05)

… rudi dutschke andreas baader und die raf – hamburger edition 2005

genial dagegen :: robert misik

Here he comes! Der Entertainer unter den Sozialkritikern! Der Mann, der mit Pointen auf George W. Bush schießt, als kommandiere er Cruise Missiles. Michael Moore, Amerikas dickste Smart Weapon: Lachen für den Frieden, Witzeln gegen Rechts, Pointen für den Regime Change. Das Publikum tobt.

aus: robert misik: genial dagegegen (aufbau, maerz 2005)
zit. nach: ueber den mehrwert der mageren zeiten (standard, 06.03.05)

die anderen haben eine andere kultur

Längst fügt sich das in eine ebenfalls schon wieder ein paar Jahre alte Tradition des Neorassismus, der in kultursoziologischen Kreisen auch unter dem Label „Kulturalismus“ bekannt ist: denn der klassische, biologistische Rassismus ist weit gehend verschwunden. Der moderne Rassist ist in der Regel nicht der Meinung, der andere sei genetisch minderwertig oder in irgendeiner naturwissenschaftlichen Hinsicht rassisch schädlich – er erlaubt sich nur den Hinweis, die anderen haben eine andere Kultur.

kultur ist, wofuer man toetet – robert misik (standard, 19./20.02.05)

beseelte museumsstuecke

Verkompliziert wird die Sache noch durch den Umstand, dass diejenigen, die in diesem Sinne noch „Kultur“ haben, keine bewusstlosen Wilden sind, sondern gewissermaßen beseelte Museumsstücke. Sie beherrschen zwar möglicherweise die Zeichensprache der globalen Kultur nicht vollends souverän, aber sind doch von ihr überschrieben, und sie wissen, dass sich ihre Lebensart mit dem Wort „Traditionspflege“ auf einen schönen Begriff bringen lässt – egal, ob es sich jetzt um die Bäuerin handelt, die einmal in der Woche noch das Brot „wie früher“ bäckt und sich ansonsten 23 TV-Programme reinzieht, oder der Imam, der unter seinen knöchellangen Gewändern Nike-Sportschuhe trägt.

oh kultur, oh schutz vor ihr – robert misik (TAZ, 02.02.05)

politik::kunst

Mit Althusser gedacht, ist die politische Dimension der Kunst also nicht an einer außer ihr gelegenen Realität zu bemessen. Politisch ist Kunst dort, wo sie um ihre Definition, ihre „Ausdehnung“, also um ihren Anteil am Gesellschaftlichen kämpft. Und politisch ist Kunst dort, wo sie um die Dominante, um die Bestimmung der Realität ihrer Gesellschaft, kämpft. Direkter ist das nicht zu haben.

Praxis und Dominante: Erinnerung an Althusser aus Anlass der Diskussion um Kunst und Politik – isolde charim (TAZ, 01.02.05)

* btw: in der TAZ jeden ersten dienstag im monat eine theoriekolumne alternierend von isolde charim und robert misik gefuellt …