do it :: hans-ulrich obrist

Do it, das sich seit zwei Jahren entwickelt, ist nach wie vor eines meiner Hauptprojekte. Hier geht es um den Begriff der Handlungsanweisung. Die Handlungsanweisung in der Kunst war eigentlich immer präsent. Bereits bei Rubens ist sie implizit vorhanden. Explizit kam sie zum ersten Mal in diesem Jahrhundert bei Duchamp vor, der aus Argentinien seiner Schwester in Paris telegraphisch mitgeteilt hatte, sie solle auf einem Balkon das Ready-made Malheureux realisieren. Kurz danach hat Moholy-Nagy zum ersten Mal eine Arbeit über das Telephon verwirklicht. Im Zusammenhang mit Fluxus sind Handlungsanweisungen ebenfalls sehr wichtig, beispielsweise bei Alison Knowles, George Brecht etc. In den 70er Jahren wiederum hatte Pistoletto Anweisungen für seine „Cento Mostre“ gegeben. Im Gegensatz zu dem eingefrorenen Ready-made, wie dem Flaschentrockener von Duchamp, der heute in einer Glasvitrine im Museum steht, geht es bei do it um den fluiden Ready-made-Begriff, der auch bei Duchamp vorkommt, wie zum Beispiel: „Man nehme ein Lexikon und streiche alle Wörter, die einem mißfallen“. Das kann jeder realisieren, auch heute noch. Bei dieser Art von Ready-made bleibt alles fließend.

ein gespraech mit hans-ulrich obrist

… das projekt „do it“ im web auf e-flux
… als buchversion im revolverlag
… die tv-version im museum in progress

rezeptsammlung (TAZ, 26.02.05)

maurizio cattelan :: kinder haengen in den lueften

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die skulptur wurde in einer der meist frequentierten strassen mailands positioniert. der empoerung wurde schliesslich ein ende bereitet, als ein mann schlicht auf dem baum kletterte, 2 der figuren vom baum schnitt, beim abschneiden der dritten vom baum stuertzte und sich verletzte. am abend holte dann die feuerwehr die dritte figur herunter.

cattelans argumente fuer diese skulptur sind bescheiden allgemeiner natur. es ginge um das trauma der kindheit und darum. die gewalt gegen kinder in die oeffentlichkeit zu tragen.

waere die skulptur in einem museum positioniert worden. waere sie schlicht als „kunst“ rezipiert worden. es scheint noch immer provokativ zu sein. „prekaere“ objekte in den oeffentlichen raum zu setzen. diese setzung beinhaltet jedoch immer auch „primaere“ reaktionen von passanten (quasi: der umgekehrte duchamp-effekt – das lavabo wieder in den oeffentlichen raum zuruecksetzen).

die reaktion/en waren erwartbar und sind daher nicht wirklich diskursiv verwertbar. es sei denn. das uebliche „cut-up“ der oeffentlichen meinung ernst zu nehmen. die „diskursiven“ entgleisungen der medien sind dazu schon weitaus interessanter.

links:
kuenstler henkte kinder (salzburger nachrichten, 08.05.04)
How to hang art and shock people (reuters)
I bambini impiccati (la republicca)
Cade dall’albero per rimuovere l’opera-choc (corriere della serra)
diverse reaktionen (corriere della serra)
Bimbi impiccati, arte scandalosa Bufera sull’opera di Cattelan (la repubblica)
Bimbi impiccati, uomo cade mentre cerca di staccarli (la republicca)

werke. die jeder kennenlernen muss (party effekt!)

ART ruft derzeit zum genussvollen bilderstreit auf (abonnenten sollen wieder kaipirinjas werden! und sich einer allgemeinen sofaemail anschliessen: welches kunstwerk vermissen sie in ihrer mikrowave // welches duchamp anhaengsel liegt bei ihnen wohl noch am speicher). ein neuer kanon soll erworben werden fuer die 80- und 90 er…

hagedorn argumentiert aus der kunstbetrieblichen ecke und bezeichnet den bilderstreit als „reviermarkierung im kommerzgelaende“, diese ist jedoch nicht offensichtlich zu lesen, sondern laeuft als subtext mit: als „heimliches, verheimlichtes thema dieses kunstkanons“ mit. neo rauch und fischli/weiss ueben im kunstkanon – so hagedorn weiter – die paraderolle von „quotenhumanisten“ aus. die begleittexte der 25 kunstkanonen setzten sich aus „fertigvokabular“ zusammen. Continue reading “werke. die jeder kennenlernen muss (party effekt!)” »