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Krünitz Oeconomische Encyclopädie online

Eine meiner beständigsten Leidenschaften ist das Stöbern in Wörterbüchern.

Zufällig bin ich über einen weiteren Online-Schatz dahingehend gestolpert: die Krünitzsche Oeconomische Encyclopädie (1773-1858), deren 242 Bände(!) von der Uni Trier digitalisiert wurden und sogar mittels Suche online zugänglich ist. Darin finden sich dann so ganz wunderbare Erläuterungen für meine Montagu Lektüre wieder, etwa zum Stichwort Nadelgeld:

Nadelgeld, eigentlich Geld, wofür man Nadeln kauft oder kaufen soll. So wird ein Trinkgeld, welches man weiblichen Personen gibt, zuweilen ein Nadelgeld genannt. Bey vornehmen Personen ist das Nadelgeld eine jährliche Summe, welche einer Dame zum Ankaufe der Nadeln und zu andern kleinen Bedürfnissen ausgesetzt wird, und in andern Fällen Spielgeld oder Taschengeld genannt wird.

Quelle: Krünitzsche Oeconomische Encyclopädie

Bei Lady Mary Montagu in ihren Briefen aus Wien wird dieses Nadelgeld in den höheren Kreisen den Frauen bewilligt, jedoch sind die Frauen ohnehin wesentlich reicher als ihre Gatten. 😉 Und trotzdem, so Montagu, sehen die Gatten es als ihr Vorrecht an – vor allem aufgrund ihrer Funktion, das Nadelgeld zu verteilen, sich Freiheiten gegenüber ihren Frauen herauszunehmen (S 52). Ohnehin ist die Beschreibung der Frauenrollen im Wien um 1716 sehr witzig. Die damalige Etikette brachte es wohl mit sich, dass man einen Ehemann UND einen Liebhaber haben mußte in besseren Kreisen: „gar keine Liason zu haben, gilt (…) als Schande“ (Lady Mary Montagu: Briefe aus Wien, Schendl 1985, S 46)

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