Heute ist der Tag des Avantgarde-Bashings, jetzt sind auch noch die Situationisten quasi-stalinistisch.
Paris ist seine zweite Sozialisation, die ästhetisch-politische durch die Situationisten, eine quasi-stalinistisch geführte Anti-Bohème-Bohème. Der gilt schon Kunstmachen als reaktionär – revolutionär dagegen sind “dérive” (Umherschweifen) und “détournement” (Zweckentfremdung/Umwidmung).
Quelle: Der schillernde Rebell, Deutschlandradio
Grund genug eigentlich, würde man denken, für einen Umzug. Die Dadasophin hat ein Buch und damit habe ich eine neue Webseite schnell hochgebaut.
Auf dadasophin.de geht es also jetzt erst mal weiter, nach und nach werde ich die Inhalte von hier nach dort aufarbeiten oder auch nicht.
Das lass ich mir selbst noch offen. Auch der RSS-Feed ist nun erneut neu.
Auf gutes und schnelles Wiedersehen!
Die Rezeption lässt sich ja weniger bestimmen und trotzdem nervt mich dieses Nachtreten. Wer auch immer diesen Text für den Lyrikkalender des Deutschlandradios verfasst hat, hat sich mit Dadaismus noch nie beschäftigt, ihn gänzlich missverstanden.
Der stets auf überraschende Abweichungen bedachte Universalkünstler, Architekt und Dichter Kurt Schwitters (1887-1948) hat nach 1919 eine Reihe von Gedichten verfasst, die sich von der verbissenen Programmatik (Hervorh. Sylvia Egger) des von ihm unterstützten Dadaismus lösen und in der “Merzdichtung” variationsreiche Formen des Wort- und Laut-Spiels zelebrieren.
Quelle: So, so!, Deutschlandradio Lyrikkalender
In einer Charakterisierung des Dadaismus als verbissen programmatisch findet man exemplarisch wieder, was man Avantgarden und deren Programmen immer nachsagt. Es ist schlicht langweilig, das immer wieder lesen zu müssen. Schliesslich ist ein Programm eben ein Programm und ist programmatisch, was meint, man positioniert sich, ob es anderen nun passt oder nicht.
Im Grunde auch nur eine Plattitüde, aber man merkt, wie das Zeitungsniveau runtergeht, wenn es um Themen wie Serien und TV geht. Der aktuelle Artikel zu Serien und Serienstrukturen in der TAZ Wir Serientäter ist derart einfach zurecht gestrickt – schade, weil gerade aus den im Artikel durchaus genannten Qualitätsserien wie Mad Men lässt sich schon ganz andres rausholen. Was nun solche Serie mit dem Roman des 19. Jahrhunderts zu tun haben kann oder soll, bleibt schon eher beliebig – vor allem fällt dieser Vergleich regelmäßig, wenn grade nichts andres zur argumentativen Hand ist:
Semiotisch können es diese Reihen mit jedem großen Roman des 19. Jahrhunderts aufnehmen, ja sie sind selbst das Äquivalent zu den eminenten Textarchitekturen der bürgerlichen Epoche. Riesenwerke, die über den Fortgang von sechs, sieben oder mehr Staffeln gesellschaftliche Panoramen auffächern, wie es bislang nur die epische Literatur vermochte.
Quelle: Wir Serientäter, TAZ 30.1.10
Leider habe ich den Orginalessay von André Bazin aus dem Jahre 1955 noch nicht gefunden, in dem er auf die religiöse Dimension des Systems Cannes eingeht:
1955 beschrieb der französische Filmtheoretiker André Bazin Cannes als einen religiösen Orden, in dem der Kinobetrachter sein alltägliches, weltliches Leben aufgebe, um in den Festivalpalast, »jenes moderne Kloster des Cinematographen«, zu pilgern, den Gralsort der Cinephilie.
Quelle: Dauerparty im Klostergarten, Zeit 21.5.2008
Wiederabgedruckt in Englisch in Dekalog 3 – On Filmfestivals.
Ab 1936 widmete sich Marcel Duchamp der Idee eines transportablen Künstlermuseums, der Boîte en valise, die er 1941 schließlich als limitierte Luxusausgabe herausbrachte: Ein Koffer, in dem komplexe Faltsysteme ca. 80 miniaturisierten Reproduktionen duchamp’schen Kunst- schaffens Platz boten, “jederzeit verfügbar und vorzeigbar”, ein Prototyp des mobilen Archivs.
Ich werde als Archiv nicht die Totalität der Texte bezeichnen, die für eine Zivilisation aufbewahrt wurden, noch die Gesamtheit ihrer Spuren, die man nach ihrem Untergang retten konnte, sondern das Spiel der Regeln, die in einer Kultur das Auftreten und das Verschwinden von Aussagen, ihr kurzes Überdauern und ihre Auslöschung, ihre paradoxe Existenz als Ereignisse und als Dinge bestimmen.
(Michel Foucault)
weiterlesen …
Ein sehr guter Text von Mark Peranson Erst kommt die Macht, dann das Geld im aktuellen Revolver Magazin Nummer 21.
In der gegenwärtigen Konstellation könnte der Filmkritiker somit eine wichtige Funktion erfüllen, indem er seinen Lesern die Funktionsweise des System erläutert. (…) Die eigentliche Kritik muss an dem System (Film, Anm. S. E.) selbst ansetzen.
Quelle: Mark Peranson: Erst kommt die Macht, dann das Geld, Revolver 21

eine mysterioese postkarte aus dem jahre 1912 – hat jemand vielleicht infos zum motiv?
Update:
Nach all den Jahren – ich habe die Karte mit der Frage 2004 eingestellt – hat sich tatsächlich jemand gemeldet, der mir ein paar weitere Informationen dazu gegeben hat:
Moto-Phéno die lebende Puppe: Vornehmste, interessanteste Schau der Gegenwart. Auch für Familien. Willi Schoenen gen: Moto-Phéno. Friedrich Hirsch, Impresario. Moto-Phéno, der einzige Mensch, der durch unbeugsame Willenskraft sich selbst hypnotisiert und in der Hypnose eine Puppe imitiert.
Quelle: circusmuseum.nl
Mir ist das heute auch ein wenig peinlich, weil ich nachts von einer Wiederbegegnung mit meinem alten Professor Zielinski geträumt habe. Da suche ich dann durch diverse Blogs und bleibe bei einem Video (56 Min.) von hactivist.tv hängen, in dem Zielinski sehr ausführlich zu seinem Konzept der Anarchäologie berichtet.
Da ich ihm denn doch theoretisch eine Anschubfinanzierung verdanke, von der ich heute noch rudimentär zehre, knüpfe ich immer mal wieder an diesen alten Strang der Medientheorie an.
Nicht jede Ausgabe der Zeitschrift “Fantomas” habe ich auch gekauft, aber doch fast jede zweite.
Schade nun, dass nach der Sommerausgabe das Projekt eingestellt wurde:
Der Clash kam für uns alle so plötzlich, dass wir als Kollektiv hier nicht viel mehr tun können, als ihn festzustellen. Wir haben keine gemeinsame Deutung von dem, was passiert ist, und dass wir sie nicht haben, reflektiert vor allem, wie tiefgreifend der Bruch ist.
Quelle: Stellungnahme der Zeitschrift Fantomas
Aus der Stellungnahme kann man gut erkennen, wie wichtig permanente Ortsbestimmung ist, je länger Gruppen schon zusammenarbeiten, desto öfter. Ja, das kenne ich gut.